Im Zeichen der Krise
Athen: Essensbons für unterernährte Schulkinder
Die Regierung in Athen steht seit Monaten unter Druck zu handeln, nachdem in den Medien Berichte über unterernährte Schüler aufgetaucht waren, die im Unterricht vor Entkräftung in Ohnmacht gefallen sein sollen. Laut der Lehrergewerkschaft seien vor allem Kinder von Migranten betroffen, die wegen der Finanzkrise keine Arbeit mehr fänden. Es gebe aber auch Fälle von griechischen Kindern, deren Eltern ihren Job verloren hätten.
Das Bildungsministerium warf daraufhin der Lehrergewerkschaft vor, "populistische Propaganda" zu verbreiten, um Stimmung gegen die unpopulären Sparmaßnahmen der Regierung zu machen. Nun habe man sich aber doch zur Ausgabe von Gutscheinen entschlossen, sagte der stellvertretende Bildungsminister, Evi Christofilopoulou, nach Angaben der halbamtlichen Nachrichtenagentur ANA am Montag vor dem Parlament.
Arbeitslosigkeit und Armut steigen
Das hoch verschuldete Griechenland hat seinem Volk im Gegenzug für internationale Hilfe strenge Sparmaßnahmen verordnet. Diese haben die seit Jahren anhaltende Rezession aber noch weiter verschärft. Hunderttausenden Angestellten und Pensionisten ist ihr Einkommen vom Staat gekürzt worden.
Seit Beginn der Wirtschaftskrise haben fast 900.000 Menschen ihren Job verloren, die Arbeitslosenquote liegt bei knapp 19 Prozent - Tendenz steigend. Allein in Athen gibt es 20.000 Obdachlose (siehe weitere Bilder), landesweit gibt die kirchliche Armenhilfe pro Woche rund 250.000 Mahlzeiten aus.
"Gewaltige soziale Reaktion" möglich
Die desaströse wirtschaftliche Situation des Landes birgt nach Ansicht vieler Beobachter sozialen Sprengstoff. Das Abwürgen der Wirtschaft im Namen der vor allem von den EU-Partnern geforderten Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit könnte zu einer "gewaltigen sozialen Reaktion" führen, warnte erst am Montag der griechische Europaabgeordnete Theodoros Skylakakis. Seit Monaten stehen in Griechenland Protestkundgebungen und Streiks an der Tagesordnung.
Viele Gefängnisse vollkommen überfüllt
Mittlerweile hat die um sich greifende Armut auch einen deutlichen Anstieg der Kriminalität bewirkt. Das größte griechische Hochsicherheitsgefängnis ist restlos überfüllt und schlägt Alarm. "Wir können keine Gefangenen mehr aufnehmen", schrieb der Chefwärter der in der Nähe von Piräus gelegenen Anstalt am Dienstag in einem offenen Brief an das Justizministerium, der in der griechischen Presse veröffentlicht wurde. "Wir haben hier 2.345 Menschen, das Gefängnis hat jedoch nur Raum für 800 Leute."
Auch andere Haftanstalten nehmen keine Gefangenen mehr auf. Ihre Direktoren warnten vor "explosiven Zuständen". In griechischen Gefängnissen sitzen derzeit über 12.700 Menschen ein, obwohl die Kapazität bei 9.300 Insassen liegt. Die Regierung wurde deshalb von Menschenrechtsorganisationen bereits wiederholt kritisiert. Hintergrund der Misere ist nach Angaben des Verbandes der griechischen Rechtsanwälte eine höhere Kriminalität, weil Tausende Migranten wegen der Finanzkrise keine Möglichkeiten mehr finden, sich zu ernähren. Zudem hätten Raubüberfälle des organisierten Verbrechens stark zugenommen.







Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.