Zwei Boten angeklagt

Falsche Polizisten vor Gericht waren die Falschen

Tirol
18.08.2023 11:04

Anrufe angeblicher Kriminalbeamter sollten einem Innsbrucker (77) rund 52.000 Euro herauslocken. Zwei gefasste Geldboten saßen nun als Angeklagte vor dem Landesgericht. Aber was wussten sie? Die Antwort fiel durchaus anders aus als im Vorfeld erwartet.

Die perfide Masche ist derzeit groß „in Mode“: Falsche Kriminalbeamte oder Polizisten rufen betagte Menschen an, warnen sie, dass ihr Geld nicht sicher sei. „Ein Herr Ackermann kontaktierte das 77-jährige Opfer und sagte, dass sein Name auf einer Liste rumänischer Gauner gefunden wurde“, präzisierte die Staatsanwältin den Tiroler Fall.

Der Pensionist sollte sein Geld (es waren dann 52.000 Euro) von der Bank holen, was dieser tat. Bei einem neuerlichen Anruf wurde ihm erzählt, dass es sich um Falschgeld handle und er alles einem „Kriminalbeamten“ aushändigen solle, der auftauchen werde.

Unbescholtene Pizzabäcker
Vor der Tür standen an diesem Novemberabend die zwei Angeklagten - beide kosovarische Pizzabäcker und unbescholtene Familienväter mit Wohnort in Südtirol. Sie wurden verhaftet und eigentlich schien es unwahrscheinlich, dass sie nicht zumindest als Mittäter verurteilt werden würden. Doch es kam anders: Einer der Angeklagten (51) schilderte, dass die Instruktionen zum Geldabholen in Innsbruck von einem entfernten Verwandten im Kosovo kamen.

Dieser habe 52.000 Euro Schulden nach Bauarbeiten eintreiben wollen. „Ich war ihm noch einen Gefallen schuldig“, so die Rechtfertigung des Angeklagten für die eigenartige Fahrt. Auf Nachfrage zückte er im Gerichtssaal sein Handy - und prompt übersetzte die Dolmetscherin entsprechende alte Chatverläufe.

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Es gibt keinen Zweifel, dass hier ein älterer Herr perfide hereingelegt werden sollte. Aber es ist nicht nachweisbar, dass die beiden Angeklagten dies wussten.

Der Richter und Vorsitzende des Schöffensenats

Die echte Polizei wartete schon
Offenbar ahnungslos (das Gegenteil war nicht zu beweisen) läuteten er und sein mitangeklagter Beifahrer beim 77-Jährigen. Dieser war aber inzwischen stutzig geworden und hatte die echte Polizei informiert.

„Ich schäme mich, dass ich hier sitze und angeklagt bin, alten Leuten muss man doch helfen“, schluchzte der 51-Jährige am Ende. Schon nach drei Minuten Beratung fällte der Schöffensenat einen Freispruch. Gegen den Hintermann soll nun ermittelt werden, was aufgrund seines Aufenthalts im Kosovo nicht einfach werden dürfte.

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