In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der Austria Presse Agentur erklärte Pelinka dann auch offiziell: "Die andauernde öffentliche Debatte über meine Person und meine mögliche Bestellung zum Büroleiter des ORF-Generaldirektors hat ein Ausmaß erreicht, das nicht mehr akzeptabel ist. Ich ziehe mich von dieser Ausschreibung zurück."
Die Stellungnahmen von Pelinka und ORF-Chef Wrabetz im Wortlaut findest du in der Infobox!
Mit seinem Rückzug wolle er "weitere untergriffige Angriffe" gegen sich, seine Familie und sein persönliches Umfeld vermeiden. Darüber hinaus würde die breite öffentliche Diskussion mittlerweile die Substanz des ORF gefährden - und weiteren Schaden wolle er "nicht akzeptieren". Der Schritt erfolge aber nicht, weil er die falsche Person für diesen Posten sei, betonte Pelinka. Er wolle lediglich weder sich selbst noch dem ORF eine "wochenlange Weiterführung dieses unwürdigen Theaters" zumuten.
Ursprüngliche Gründe für seine nun zurückgezogene Bewerbung seien ausschließlich sein "persönliches Vertrauensverhältnis zu Alexander Wrabetz" und sein "Interesse am Medienunternehmen ORF" gewesen. Er wolle aber "nicht das Symbol für etwas sein", das nicht seiner "persönlichen Wertehaltung" entspreche. Pelinka freue sich "auf spannende berufliche Aufgaben in der Zukunft" - wohin es den 25-Jährigen nun aber tatsächlich hinverschlagen wird, ließ er offen.
Wrabetz kritisiert "menschenverachtendes Niveau"
Zu Mittag teilte Wrabetz per Aussendung mit, dass er die Entscheidung Pelinkas, nicht mehr zur Verfügung zu stehen und sich beruflich neu orientieren zu wollen, "in höchstem Maße" respektiere, wenngleich die geplante Bestellung "ebenso wenig Gegenstand einer parteipolitischen Absprache wie sein nun bekannt gegebener Rückzug" sei.
Gleichzeitig sei der ORF-Chef überzeugt, "dass sich Niko Pelinka mit großem Einsatz bedingungslos für den ORF und die im öffentlich-rechtlichen Auftrag enthaltenen Werte eingesetzt hätte". Heftig kritisierte er die Diskussionen und Anfeindungen rund um die geplante Pelinka-Bestellung, die "auf einem menschenverachtenden und entwürdigenden Niveau stattgefunden haben".
Der Generaldirektor kündigte an, dass die Ausschreibung für den Büroleiter aufgehoben werde: "Eine allfällige spätere Neustrukturierung der Generaldirektion wird intern ausführlich diskutiert und allfällige Positionen werden nach entsprechender Ausschreibung besetzt. Dabei wird es zu keiner Ausweitung des Personalstandes der Generaldirektion kommen und auf bisherigen Vorarbeiten aufgebaut."
Redakteursrat: "Entscheidende Stärkung"
Der Redakteursrat sprach nach Pelinkas Rückzug von einer "entscheidenden Stärkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks", so der Vorsitzender Fritz Wendl. Es sei "in den vergangenen vier Wochen gemeinsam mit einer breiten, wachsamen Öffentlichkeit gelungen, die Bedeutung eines wirklich unabhängigen ORF eindrucksvoll zu vermitteln". Nun müsse es auch zu den längst überfälligen Änderungen des ORF-Gesetzes kommen, außerdem dürfe "ab nun keinerlei, wie immer geartete, Fortsetzung unternehmensschädigender Postenvergabe mehr möglich sein".
Die Vorsitzende des ORF-Stiftungsrates, Brigitte Kulovits-Rupp, bezeichnete Pelinkas Rückzug als "vernünftige Entscheidung" und äußerte die Hoffnung, "dass dieser Schritt zur Beruhigung der sehr aufgeheizten Situation beiträgt".
"Tragikkomödie" und "schwerer Schlappe der SPÖ"
Häme gab es von ÖVP und FPÖ. ÖVP-Mediensprecher Karlheinz Kopf bezeichnete den Rückzug Pelinkas als "unrühmliches, aber logisches Ende einer Tragikkomödie". Die FPÖ ortete eine "schwere Schlappe für die SPÖ" und meinte, mit dem Rückzug Pelinkas sei "dem Medien-System Faymann-Ostermayer erstmals erfolgreich ein Riegel vorgeschoben worden".
Der Mediensprecher der Grünen, Dieter Brosz, betonte, Alexander Wrabetz hätte nun "eine historische Chance, sich gegen die Personalwünsche der Parteien zu stellen" und solle die öffentliche Debatte dafür nutzen, "um einen Schlussstrich unter politische Tauschgeschäfte zu ziehen". Das BZÖ wies darauf hin, dass es "ein ganzes System infrage zu stellen" gelte und es im ORF viele weitere "schwarze, rote und grüne Pelinkas" gebe.
Keine neue Dienststelle "Koordination Landesstudios"
Indes teilte Wrabetz am Donnerstag auch mit, dass er auf die Dienststelle "Koordination Landesstudios", für die Robert Ziegler vorgesehen war, verzichten werde. Die Bundesländerkoordination soll lediglich auf Projektebene weiterverfolgt werden, ebenso wie die für Wrabetz' bisherigen Büroleiter Kurt Reissnegger vorgesehenen Aufgaben "Strategische Planung und medienübergreifende Programmprojekte". Büroleiter bleibt "bis auf Weiteres" Reissnegger, hieß es.
Auf die Bestellung des ehemaligen Onlinedirektors Thomas Prantner zum stellvertretenden Technikdirektor, die von den Redakteuren ebenfalls heftig kritisiert wird, ging der Generaldirektor in der Aussendung nicht ein. Dem Vernehmen nach dürfte sich daran aber nichts ändern.
Bezüglich der Möglichkeit, vom Stiftungsrat in den ORF zu wechseln, sprach sich der ORF-Chef für eine "Weiterentwicklung der Corporate-Governance-Regeln" und für eine "Cooling off"-Phase aus. Er werde Redakteursvertreter, Belegschaftsvertreter und Führungskräfte des Hauses zu Gesprächen darüber einladen, "durch welche Maßnahmen der ORF seine Position verbessern kann", kündigte Wrabetz an.
ORF-Redakteure zogen offen gegen Pelinka ins Feld
Es waren nicht zuletzt die ORF-Redakteure selbst, die im Sinne einer uneingeschränkten Berichterstattung offen gegen die Bestellung des ehemaligen SPÖ-Stifungsrates Niko Pelinka ins Feld gezogen waren. Der interne Protest hatte erst kürzlich seinen Höhepunkt erreicht, als die Redakteure ein Video auf YouTube veröffentlichten (siehe Infobox).
Es erzielte rasch Hunderttausende Klicks und wurde auch im deutschsprachigen Ausland viel beachtet. In dem kurzen Film verlesen zahlreiche Aushängeschilder des Senders - darunter Armin Wolf, Tarek Leitner, Marie-Claire Zimmermann und Lou Lorenz-Dittlbacher - eine Resolution gegen die geplanten Personalrochaden.
Auslöser der Proteste war eine Aussendung einen Tag vor Weihnachten, in der die Geschäftsführung die Bestellung mehrerer neuer Dienstposten bekannt gab.
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