Extremer Protest

Welle von Selbst-Verbrennungen in Tunesien

Ausland
10.01.2012 20:42
Kurz vor dem ersten Jahrestag der Revolution wird in Tunesien eine neue Welle von Selbstverbrennungen verzeichnet. In der Stadt Gafsa starb nach Krankenhausangaben vom Dienstag ein 43-jähriger Familienvater an schweren Brandverletzungen. Er hatte sich Ende vergangener Woche vor dem Sitz der Bezirksregierung angezündet, um gegen Arbeitslosigkeit zu protestieren. Fünf weitere Fälle wurden aus anderen Orten des Landes gemeldet - sie endeten aber nicht tödlich.

Selbstverbrennungen wie jene des 43-Jährigen aus Gafsa erregen in Tunesien besondere Aufmerksamkeit, seitdem ein junger Straßenhändler im Dezember 2010 mit seiner angeblichen Verzweiflungstat landesweite Massenproteste und Unruhen auslöste.

Die Selbstverbrennung - die von der Familie des Mannes damals als "Unfall" bezeichnet wurde - in Sidi Bouzid rund 250 Kilometer südlich von Tunis hatte Hunderttausende Tunesier aufgerüttelt und führte schließlich am 14. Jänner 2011 zum Sturz von Diktator Zine al-Abidine Ben Ali - und damit im weitesten Sinne zum Arabischen Frühling.

Feierlichkeiten trotz schlechter Verhältnisse
Am ersten Jahrestag der Revolution soll an diesem Samstag der Opfer des tunesischen Aufstands gedacht werden. Die geplanten Feierlichkeiten werden allerdings von einer äußerst angespannten sozialen Situation überschattet.

Vielen Menschen geht es seit der Revolution wirtschaftlich eher schlechter als besser. Nach den Unruhen waren im vergangenen Jahr die ausländischen Investitionen eingebrochen. Auch viele Touristen mieden das nordafrikanische Mittelmeerland aus Angst vor neuen Ausschreitungen.

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