Nach Höchststand

2011 deutlicher Rückgang bei Kirchenaustritten

Österreich
10.01.2012 10:37
Die Zahl der Kirchenaustritte in Österreich ist wieder deutlich zurückgegangen. Insgesamt 58.603 Personen haben 2011 die römisch-katholische Kirche verlassen, berichtete die "Kathpress" am Dienstag. Das bedeutet einen Rückgang um knapp 32 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor, als 85.960 Personen der Kirche den Rücken gekehrt hatten. Kritiker sehen indessen keinen Grund zum Jubeln, die Austrittszahlen seien noch immer die zweithöchsten nach 1945.

2010 sorgte vor allem das Bekanntwerden von Missbrauchsfällen im kirchlichen Bereich für den historischen Höchststand an Austritten seit 1945. Trotz des nach wie vor hohen Niveaus an Austritten ist die Zahl der Katholiken in Österreich im Jahr 2011 im Großen und Ganzen stabil geblieben.

St. Pölten verzeichnete größten Rückgang
Mit 36 Prozent den größten Rückgang an Austritten gab es in der Diözese St. Pölten, gefolgt von der Diözese Feldkrich mit 35 Prozent und den Diözesen Linz, Gurk-Klagenfurt und Innsbruck mit jeweils 34 Prozent. In absoluten Zahlen die meisten Austritte hat jedoch naturgemäß die große Erzdiözese Wien zu verbuchen, die auch weite Teile Niederösterreichs umfasst. Insgesamt traten in Wien im vergangenen Jahr 16.941 Personen aus der römisch-katholischen Kirche aus, was einen Rückgang von 33 Prozent bedeutet.

Ein Minus von 30 Prozent bei den Austritten gab es in der Diözese Graz-Seckau. Die geringste Veränderung zum Positiven hat hingegen die Erzdiözese Salzburg zu verbuchen. Hier sank die Zahl der Austritte im vergangenen Jahr um lediglich 14 Prozent. Wie Salzburg ebenfalls deutlich unter dem österreichischen Durchschnitt liegt auch die Diözese Eisenstadt.

Zahl der Kirchenmitglieder sank um rund 0,86 Prozent
Insgesamt gab es mit Stichtag 31. Dezember 2011 5,41 Millionen Kirchenmitglieder. 2010 waren es noch 5,45 Millionen, was laut "Kathpress" einen Rückgang von rund 0,86 Prozent bedeutet. 4.343 Personen (2010: 4.608) kamen im Jahr 2010 neu dazu oder wurden wieder in die Kirche aufgenommen. Bei den Angaben handelt es sich um vorläufige Zahlen. Da noch nicht in allen Diözesen die Daten für die letzten Monate des Vorjahres umfassend vorliegen, dürften die Zahlen der Neu- und Wiedereintritte erfahrungsgemäß noch leicht steigen.

"Kirche konnte wieder Vertrauen aufbauen"
"Der deutliche Rückgang bei den Kirchenaustritten ist ein Zeichen dafür, dass die Kirche wieder Vertrauen aufbauen konnte", sagte der Medienreferent der Bischofskonferenz, Paul Wuthe, gegenüber "Kathpress". Ein Grund dafür sei "in den klaren Worten und konkreten Maßnahmen der Bischofskonferenz gegen Gewalt und Missbrauch im kirchlichen Bereich" zu sehen, so Wuthe. Sie hätten "die Glaubwürdigkeit der Kirche gestärkt, wenn auch die Enttäuschung bei vielen Kirchenmitgliedern nach wie vor spürbar bleibt".

Schüller: "Menschen warten, bis sich was tut"
Kirchenkritiker sehen angesichts der zurückgegangenen Austrittszahlen bei den Katholiken nun den Klerus am Zug. So glaubt der Obmann der Pfarrerinitiative, Helmut Schüller, dass viele Gebliebene nun warten würden, bis sich etwas tut. Der Rückgang bei den Austritten sei auf den abklingenden Schock über die Missbrauchsfälle zurückzuführen, glaubt indessen Hans Peter Hurka, Vorsitzender von "Wir sind Kirche" - "weil die Kirchenleitung ein gutes Krisenmanagement für die Opfer geführt hat". Strukturell habe sich in der Kirche allerdings "wenig bis gar nichts getan".

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