08.01.2012 17:35 |

"Causa Pelinka"

ORF-Chef Wrabetz: "Ich lasse mich nicht erpressen"

Kein Ende in der "Causa Pelinka": Nach der Mittags-"ZiB" am Montag wollen die ORF-Redakteure über weiteres Vorgehen beraten. Sie laufen gegen die Entscheidung von ORF-Chef Alexander Wrabetz, den 25-jährigen SPÖ-nahen Niko Pelinka zu seinem Büroleiter zu machen, Sturm, weil sie die Unabhängigkeit des ORF in Gefahr sehen. Pelinka selbst bot im "Krone"-Interview den Rückzug seiner Bewerbung an. Wrabetz, der am Sonntag aus dem Urlaub zurückgekehrt ist, nimmt nun zu dem offenen Streit Stellung.

"Krone": Herr Generaldirektor, welche Note geben Sie Ihrem Wunschbüroleiter Niko Pelinka für das Sonntags-Interview in der "Krone"?
Alexander Wrabetz:(lacht) Keine. Was ich ihm zu sagen habe, sage ich ihm persönlich.

"Krone": Pelinka hat erklärt, dass er seine Bewerbung auch zurückziehen würde, dass Sie ihm aber gesagt hätten, er solle dabei bleiben. Gilt das noch immer?
Wrabetz: Ja. Ich habe ihn ja eingeladen, sich zu bewerben. Ich gehe davon aus, dass er seine Bewerbung aufrecht erhält.

"Krone": Gerüchten zufolge haben sich ja noch 3.000 andere für den Job beworben. Wird es da ein Hearing geben, das eine Woche oder mehr dauert?
Wrabetz: Ich finde es ganz toll, wie viele Leute ganz gern für mich arbeiten wollen. 3.000 werden es aber nicht sein. Nicht jeder, der auf Facebook ein "Like" drückt, ist gleich ein Bewerber. Aber es ist sicher der größte Zuspruch für einen Generaldirektor, den es wahrscheinlich in der langen Geschichte gegeben hat.

"Krone": Sie reden von Zuspruch. Aber Ihnen ist schon klar, dass das ja in Wahrheit alles Protestbewerbungen gegen Ihre Bestellung von Niko Pelinka sind?
Wrabetz: Aber es ist natürlich so, dass ich mir meine persönlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aussuche! Mit Betonung auf dem Wort "ich". Das ist auf der ganzen Welt so. Dass das formal nach den gesetzlichen Bestimmungen abgehandelt wird, ist klar.

"Krone": Sie haben die Ausschreibung aber erst gemacht, nachdem Sie am 23. Dezember Ihre Entscheidung verkündet haben.
Wrabetz: Ich habe ganz offen gesagt, wen ich mir wünsche - vorbehaltlich eines Ausschreibungsergebnisses. So zu tun, als würde ich bei einem so persönlichen Job drauf warten, wer grad die "Wiener Zeitung" aufschlägt und sich bewirbt, das hätte ich für verlogen gehalten. Ich habe auch bei fast allen anderen Positionen Vorstellungen gehabt, das ist ja auch meine Aufgabe als Generaldirektor. Aber gerade in diesem Job spielt die persönliche Komponente eine sehr große Rolle - neben der Qualifikation und dass man den Job auch wollen muss. Das war im Übrigen auch bei all meinen bisherigen Büroleitern so.

"Krone": Sie glauben nicht, dass Sie gegen das ORF-Gesetz verstoßen haben?
Wrabetz: Nein. Wir werden formal alles ganz richtig abwickeln.

"Krone": Gibt es Ihnen nicht zu denken, dass sich Topmitarbeiter des ORF öffentlich gegen Sie stellen und Sie sogar auffordern, Ihre Entscheidung zurückzunehmen?
Wrabetz: Natürlich ist das etwas, worüber man auch nachdenkt. Weil da auch viele dabei sind, die Seite an Seite mit mir gegangen sind, tolle Arbeit leisten, insofern nehme ich das ernst. Ich möchte es aufgreifen und versuchen, aus dieser positiven Bewegung, dieser Sorge um das Unternehmen, was zu machen, ich halte das für wertvoll.

"Krone": Armin Wolf erklärt im Profil wörtlich, Wrabetz sucht sich den Büroleiter ja nicht selber aus. Die SPÖ-Zentrale hat ihn ausgesucht.
Wrabetz: Es ist aber nicht so gewesen! Armin Wolf hat unrecht. Ich finde es auch nicht in Ordnung, so etwas zu unterstellen. Ich bin die ganzen letzten Jahre hindurch meinen Weg gegangen. Ich habe viele Personalentscheidungen getroffen, die auch nicht immer allen gefallen haben. Das ist jetzt halt auch so eine. Aber letztlich ist es meine Verantwortung. Ich bin der, der geradestehen muss für seine Personalentscheidungen.

"Krone": Wolf schreibt, die ORF-Spitze werde von der Politik erpresst.
Wrabetz: Ich lasse mich auch nicht erpressen. Das weise ich für mich persönlich scharf zurück, und da spreche ich auch für meine Kollegin und Kollegen in der ORF-Geschäftsführung. Ich habe mit keinem einzigen Politiker über Herrn Pelinka gesprochen, bis heute nicht. Außerdem ist der Büroleiter ja auch keine journalistische Funktion. Es gibt keine direkte oder indirekte Einflussnahme auf journalistische Arbeit, das würden sich die ORF-Redakteure auch gar nicht gefallen lassen. Ich habe auch einen sehr guten Personalchef, den Herrn Dr. Scolik, weshalb mit der Funktion des Büroleiters auch keinerlei Personalhoheit verbunden ist. Es geht einfach darum, meine Tätigkeit effizient zu unterstützen, insbesondere gegenüber den Gremien wie Publikums- und Stiftungsrat.

"Krone": Haben Sie Wolf schon zu sich zitiert?
Wrabetz: Nein. Ich wüsste auch nicht, warum. Er kann seine Meinung äußern. Das akzeptiere ich. Und das weiß er auch.

"Krone": Haben Sie mit ihm geredet?
Wrabetz: Eine Frage der internen Kommunikation soll nicht in der Zeitung stehen.

"Krone": Verstehen Sie die Sorge von vielen Redakteuren, dass überall gespart wird, und dann schaffen Sie einen neuen Job, wo jemand mit 25 gleich mehr als 5.000 Euro verdient?
Wrabetz: Es wird kein neuer Job geschaffen, es wird in der Generaldirektion nach dem Ende aller Umstrukturierungen weniger Personal und weniger Kosten geben.

"Krone": Was müsste passieren, dass Sie sagen: Okay, der Schaden für das Unternehmen ist größer als der Nutzen, den Ihnen das Vertrauensverhältnis zu Niko Pelinka bringt?
Wrabetz: Ich bedauere die Diskussion, in der sich ja auch viele Feinde des ORF zu Wort gemeldet haben. Aber das Gute ist, dass jeder dem ORF eines attestiert: Hier herrscht die größte Unabhängigkeit und Freiheit seit Langem. Es gibt eine Sreitkultur, keiner braucht sich vor irgendjemandem fürchten. Wir haben sicher die härteste politische Satire, die es in Europa gibt. Und wir haben in der Berichterstattung eine von allen Seiten anerkannte Objektivität. Es ist bedauerlich, dass durch diese Diskussion das alles infrage gestellt wird, und zwar nicht von den ORF-Redakteuren, sondern von unseren Gegnern, die die laufende Debatte dafür missbrauchen. Weil ein Image entsteht, das dem Bild des ORF in keiner Weise entspricht.

"Krone": Stichwort härteste politische Satire - dürfen die auch in Zukunft Niko Pelinka parodieren?
Wrabetz: Aber ja.

"Krone": Wann rechnen Sie damit, dass Pelinka Bürochef sein wird?
Wrabetz: Die Ausschreibung endet am Mittwoch, dann werden wir schauen, wie viele sich jetzt beworben haben. Also es kann schon noch ein paar Tage dauern.

"Krone": Aber es bleibt bei Niko Pelinka?
Wrabetz: Es bleibt mein Wunsch, dass er sich bewirbt.

"Krone": Herr Wrabetz, die Bilanz des ORF sieht nicht gut aus. Trotz Fukushima, Arabischen Frühlings und Skiweltmeisterschaften schloss der ORF 2011 mit dem geringsten Marktanteil seiner Geschichte ab. Wie wollen Sie den Abwärtstrend stoppen?
Wrabetz: Fakt ist, dass die Österreicher 2011 genau gleich lang ORF geschaut haben wie in den Jahren zuvor. Nur generieren die anderen Sender eben mehr Sendeminuten, weshalb der Marktanteil sinkt. Aber der ORF-Konsum ist stabil, vor allem in der "Prime Time". Da gehören wir in Europa zu denjenigen, die die höchsten Werte haben. Momentan sind wir überhaupt im Quotenglück. Neujahrskonzert, "Atem des Himmels". Nächste Woche starten wir mit einem Redesign von ORF 2 und mit einer neuen Staffel von "Schnell ermittelt". Es läuft bestens.

"Krone": Ihre Pläne für 2012?
Wrabetz: Zum Jahresende haben wir ORF III gestartet, mit sehr großem Zuspruch, das werden wir ausbauen. Kathi Zechner wird mit ihrer Energie vieles weiterentwickeln, dafür sorgen, dass wir qualitativ besser werden, dass es viel Neues im Programm gibt. Auch die Sanierung des Küniglbergs ist eine der Entscheidungen, die jetzt sehr wichtig und dringend werden.

"Krone": Wird in sechs Wochen das Thema Niko Pelinka vergessen sein?< Befürchtungen, dass durch Pelinka oder irgendjemand anderen das Rad der Zeit zurückgedreht wird, vollkommen unbegründet sind. Und genau genommen ist es dem Publikum vollkommen egal, wer mein Büro leitet, wer meine Sekretärin ist und wie ich das alles organisiere. Das Publikum will sich freuen oder auch ärgern über das, was wir senden, es will über unsere Stars reden, aber nicht mit unseren internen Fragen belästigt werden.

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