29.12.2011 19:01 |

Im 101. Lebensjahr

Wiener Cafetier Leopold Hawelka gestorben

Wiens wohl bekanntester Cafetier ist tot: Leopold Hawelka ist am Donnerstagnachmittag im 101. Lebensjahr zu Hause im Kreise der Familie gestorben. Hawelka hatte erst im vergangenen April seinen 100. Geburtstag gefeiert. Einem großen Fest zu diesem Anlass war er aus gesundheitlichen Gründen aber ferngeblieben.

"Mein Vater ist in seinem Bett gelegen und ohne Schmerzen eingeschlafen", berichtet Hawelkas Tochter Herta. Er habe sich den ganzen Tag schon schwach gefühlt.

Der am 11. April 1911 geborene Hawelka gründete das gleichnamige Café gemeinsam mit seiner 2005 verstorbenen Frau Josefine im Jahr 1939. Ab den 1960er-Jahren etablierte sich das nicht einmal 100 Quadratmeter große Kaffeehaus zum Treffpunkt der heimischen Avantgarde, der Protagonisten wie Helmut Qualtinger, Oskar Werner oder Friedensreich Hundertwasser als Arbeits- und Wohnzimmerersatz diente. Tochter Herta kam 1939 zur Welt, Sohn Günter ein Jahr später.

Fast täglicher Besuch im Café
Zeit seines Lebens konnte sich Leopold Hawelka ein Leben ohne sein Café in der Wiener Innenstadt nicht vorstellen. Trotz seines hohen Alters kam der Cafetier auch heuer noch beinahe täglich in sein berühmtes Lokal in der Dorotheergasse. "Er hat immer noch seine 20-Stunden-Woche", hatte Enkel Michael Hawelka aus Anlass des 100. Geburtstages seines Großvaters geschmunzelt. Michael Hawelka führt mittlerweile mit seinem Bruder Amir die legendäre Institution. Als Geburtstagsgeschenk ließ das Geschäftsführer-Duo eigene Leopold-Hawelka-Tassen anfertigen.

Kaffee ließ sich der Hausherr fast bis zuletzt regelmäßig im Hawelka servieren. Zwei bis drei Stunden saß der 100-Jährige an fast jedem Vormittag in seinem weit über Wiens Grenzen hinaus bekannten Lokal. "Er ist immer noch unser Generaldirektor. Wenn er im Haus ist, ist er der Chef", ließ Enkel Michael im Frühjahr keinen Zweifel am Führungsanspruch des Seniors.

Das Interieur blieb in der Ära Leopold Hawelkas praktisch unverändert. Die Kreativszene ist mittlerweile aber großteils Touristen, denen der Hausherr oft Autogramme gab, gewichen. Und dicke Rauchschwaden sind im Hawelka wegen des Tabakgesetzes inzwischen Geschichte -  was Leopold Hawelka bis zuletzt missfiel. Der Enkel berichtete, dass sein Großvater immer wieder Anweisungen gab, Aschenbecher auf die Tische zu stellen.

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