Sa, 21. Juli 2018

Malen mit Qualen

16.12.2011 15:54

Kreativität vs. zickige Hardware: 'uDraw GameTablet'

Gutes Konzept, schlechte Umsetzung - das "uDraw GameTablet" kann ausgerechnet in den Kerndisziplinen, dem Malen und Zeichnen, nicht überzeugen. Schade, denn es stehen eine große Auswahl an virtuellen Malutensilien, Vorlagen, Malbuch-Varianten wie Malen nach Zahlen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen sowie drei Minispiele bereit.

Schon 2010 kam das "uDraw GameTablet" von THQ als Zubehör für Nintendos Wii auf den Markt. Nun ist eine neue Version, auch für Xbox 360 und PlayStation 3, erhältlich - doch noch immer ist das Gerät kein Hit. Selbst die Umsatzprognose von Hersteller THQ für das dritte Quartal 2011 soll aufgrund des Tablets gesenkt worden sein.

Dabei ist die Grundidee hinter dem uDraw GameTablet sowie dem beigefügten Malprogramm "uDraw Studio: Instant Artist" höchst interessant: Der Spieler malt und zeichnet mit virtuellem Zubehör, hat daher eine riesige Anzahl an Malutensilien und die gesamte Farbpalette zur Auswahl.

Erlernen von Grundtechniken gefällt
Vor allem jedoch bietet das Tablet die Möglichkeit, Grundtechniken des Malens zu erlernen. Schritt für Schritt wird zum Beispiel erklärt, wie ein Gesicht, eine Tomate oder eine Teekanne gemalt werden: Erst wird die Grundform skizziert, dann erste Linien gezogen, langsam immer mehr Farben und Schatten hinzugefügt, sodass am Ende ein lebendiges Bild entsteht.

Tatsächlich sind die Anleitungen recht gut gelungen, es fällt leicht, sie nachzuvollziehen. Den wohl größten Vorteil eines Programms im Vergleich zu einem Mal-Workshop per Video oder Buch jedoch spielt "uDraw Studio: Instant Artist" nicht aus: Der Hobbymaler erhält keinerlei Feedback zu seinem Werk. Zwar sagt der virtuelle Trainer am Ende jedes Werks, man habe seine Sache gut gemacht - ob dem allerdings tatsächlich so ist, ist völlig unwichtig.

Hardware macht das Malerleben schwer
Viel schwerwiegender ist jedoch, dass das Malen selbst nicht richtig klappen will. Grundproblem der Hardware: Die Spitze des Eingabestifts hat eine ebenso harte und glatte Oberfläche wie das Tablet, sodass der Spieler ständig ein klein wenig abrutscht. Dazu kommt, dass man den Stift fest aufdrücken muss, damit die Eingabe als Malauftrag verstanden wird. Zieht man ihn lediglich leicht über das Tablet, kann man zum Beispiel andere Farben, Utensilien, Stempel oder die Pinselstärke auswählen.

So ist es unmöglich, lockere Linien zu ziehen - wie es gerade beim Skizzieren oft nötig wäre. Auch das Bepinseln verschiedener Motive des integrierten Malbuchs wird damit zur Geduldsprobe, da es faktisch unmöglich ist, kleine Flächen zu treffen und nicht über die Linien hinaus zu malen.

Die bessere Möglichkeit wäre wohl gewesen, die Menüs nur auf Knopfdruck zu öffnen, sodass der Stift nur zum Malen selbst verwendet wird und nicht hinuntergedrückt werden muss. In den Menüs selbst hätte er selbstverständlich trotzdem zum Einsatz kommen können. So können zwar einige, aber nicht alle Menüs per Knopfdruck geöffnet werden, während der Stift nur malt, wenn der Spieler aufdrückt - ein herber Benutzbarkeits-Schnitzer. Fast schon zur Nebensache gerät angesichts dessen, dass zu allem Überfluss auch noch der Draht, mit dem der Stift an das Gerät angeschlossen ist, viel zu kurz geraten ist.

Menüführung unausgegoren
Während die Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die Malbuch-Varianten und das freie Malen auf zahlreichen Hintergründen einen guten Grundstock bieten, wirkt das Programm dennoch unausgegoren. So kann sich der Spieler zwar seine Malschritte von Beginn an ansehen und die Schleife jederzeit anhalten, um an einem beliebigen Punkt fortzusetzen - einen einfachen "Zurück"-Button, um die letzte Aktion rückgängig zu machen, sucht man jedoch vergebens. Auch die Anleitungen sind nicht logisch erkennbar sortiert oder nummeriert. So ist für einen Malanfänger nicht erkennbar, mit welcher Übung er am besten beginnen sollte, um sich an die Malkunst und das Tablet heranzutasten. Zudem sind die Auswahlmenüs - etwa für Pinsel, Stift, Kreide, Spraydose und Co. - teils arg schmal geraten. Statt einen größeren Teil des Bildschirms zu nützen, muss der Spieler mit dem Stift versuchen, den Pfeil zum Weiterscrollen zu treffen.

Nur bedingt Spaß machen auch die drei enthaltenen Minispiele, die zum Teil mittels im Tablet eingebautem Bewegungssensor gesteuert werden. Mehr als eine kurze Beschäftigung zwischendurch ist aufgrund des immergleichen Ablaufs nicht drin.

Fazit: Wer malen lernen will, ist zum Einstieg vermutlich mit einem Buch oder einer kostenlosen Anleitung per YouTube besser beraten - insbesondere, da das Malen auf dem uDraw Game Tablet nicht so exakt klappen will, wie es sollte. Zudem bietet "uDraw Studio: Instant Artist" keine Rückmeldung zum Geleisteten, was die Besonderheit des Programms hätte sein können. Die große Auswahl an Hintergründen, Malutensilien, Farben und Extras wie Stempeln gefällt zwar ebenso wie die Schritt-für-Schritt-Anleitungen, das freie Malen und verschiedene Malbuch-Varianten - über die ärgerlich ungenaue Eingabe kann das aber wohl nur die jüngere Zielgruppe hinwegtrösten.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, Wii
Publisher: THQ
krone.at-Wertung: 6/10

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