Mi, 12. Dezember 2018

Panik in Lettland

12.12.2011 15:08

Angst vor Bankpleiten löst Run auf Bargeld aus

Aus Angst vor Bankpleiten haben die Letten am Sonntag die Geldautomaten leer geräumt. Gerüchte über Probleme bei der Swedbank und anderen in Lettland aktiven schwedischen Banken sorgten für panikartige Abhebungen. Die zunächst angegebene behobene Geldsumme von über 10 Millionen Lats (14,3 Millionen Euro) musste am Montagnachmittag auf rund 27 Millionen Lats (40,6 Millionen Euro) deutlich nach oben korrigiert werden.

Die höchste Aktivität an den Geldausgabe-Automaten sei am Sonntagnachmittag und in der Nacht auf Montag registriert worden, sagte eine Sprecherin der lettischen Swedbank-Tochter. Maris Mancinskis, Swedbank-Chef in Lettland, zufolge waren zu Tagesbeginn am Montag 130 der rund 300 Swedbank-Automaten ohne Scheine.

Die Panik wegen der Swedbank-Gerüchte führte auch unter Kunden der SEB-Bank, der zweitgrößten im Baltikum auf dem Finanzmarkt aktiven schwedischen Bank, zu verstärkten Abhebungen. Die SEB sei "in gewissem Ausmaß" mitbetroffen, zitierte die schwedische Nachrichtenagentur TT einen Sprecher des Instituts. Sowohl die Swedbank-Aktie als auch die Werte der SEB mussten nach den Berichten aus Lettland an der Stockholmer OMX-Börse Kursverluste hinnehmen.

Polizei ermittelt wegen Gerüchten
Die lettische Polizei hat mittlerweile Ermittlungen zu den Gerüchten über die finanzielle Lage der Swedbank eingeleitet. Über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter war zuvor verbreitet worden, dass die schwedischen Geldhäuser in einer Schieflage seien. Die Sicherheitspolizei vermutet laut der baltischen Nachrichtenagentur BNS, die Gerüchte könnten bewusst in Umlauf gesetzt worden sein, um "die Situation in Lettland zu destabilisieren".

Die Gerüchte über Probleme der Swedbank hätten bereits in der vergangenen Woche begonnen, das Management habe diese aber zunächst als "nicht allzu ernst" eingestuft, hieß es am Montag. Die Swedbank teilte mit, keine Ahnung zu haben, woher die Gerüchte kämen. Ein Unternehmenssprecher betonte, die Position der Bank sei mehr als solide. Lettlands Bankenaufsicht und Politiker, darunter Ministerpräsident Valdis Dmobrovskis, erklärten, die Gerüchte seien grundlos. Es sei nicht nötig, sich um die finanzielle Situation der Swedbank zu sorgen, die Swedbank gehöre in Europa zu den am besten kapitalisierten Finanzinstituten.

Auch Spekulationen in Dänemark
Die Swedbank und die ebenfalls schwedische SEB gehören ebenso wie die Danske Bank zu jenen skandinavischen Finanzinstituten, die den Markt im Baltikum beherrschen. Die Finanzkrise vor drei Jahren bescherte diesen Banken herbe Verluste. Auch die Danske Bank geriet am Montag in Dänemark ins Gerede, nachdem Spekulationen aufgetaucht waren, ob der Staat in der Lage sei, einen Zusammenbruch der Danske Bank zu bewältigen. Experten des US-Hedgefonds Luxor Capital kamen zu dem Schluss, dass dies nicht der Fall wäre.

In Lettland haben Probleme in der Bankenbranche eine lange Geschichte. Jüngst musste die Bank Latvijas Krajbanka wegen Betrugsvorwürfen gegen die litauische Mutter geschlossen werden. Nach dem Zusammenbruch der Parex Bank 2008 war Lettland gezwungen, Hilfen des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Union zu beantragen.

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