Entführungsprozess

Wirrer Brief an die "Krone": "Habe für die CIA gearbeitet"

Oberösterreich
10.11.2011 08:45
Zwei Männer, die im vergangenen Jahr versucht haben sollen, im Mühlviertel eine Bankiersfrau zu entführen, müssen sich ab Donnerstag vor dem Landesgericht Linz verantworten. Dem Hauptverdächtigen wird nachgesagt, zur Rockerbande "Bandidos" zu gehören, was er jedoch bestreitet. Unmittelbar vor dem Prozessauftakt behauptete der 56-Jährige in einem wirren Schreiben an die "Krone", er habe früher für die CIA gearbeitet und sei selbst erpresst worden.

Nach seiner Verhaftung im April in Budweis in Tschechien war – wie berichtet (siehe Infobox) - behauptet worden, der verhinderte Entführer von Puchenau bei Linz sei Mitglied der Motorradgang "Bandidos". "Das ist ein Blödsinn – ich habe für die CIA gearbeitet, da kann man nicht Mitglied in einer Gang sein", erklärt Marvin R., der zu seiner Verhaftung meint: "Ich wurde da nicht wegen der versuchten Entführung befragt, sondern wie lang ich für die CIA gearbeitet habe und ob ich noch für sie tätig bin."

Angeklagter wollte Zeugen aus Geheimdienstkreisen laden
Zur Untermauerung seiner Integrität wollte der 56-Jährige vier Zeugen von CIA, DEA (US-Justizministerium), NSC (Nationale Sicherheit, USA) und vom deutschen Landeskriminalamt bei seinem Prozess in Linz aufmarschieren lassen, schreibt der Angeklagte weiter. "Ich habe in Serbien, Mexiko, Kolumbien, Simbabwe, Russland und Panama für die CIA gearbeitet", behauptet Marvin R. in seinem Brief und erwähnt dann noch, selbst einmal erpresst worden zu sein: Er habe in Deutschland für eine Verbrechergruppe einen Safe knacken müssen. "Hätte ich nicht mitgemacht, wäre meine Familie in Deutschland ermordet worden!"

"Habe eine verdammte Dummheit gemacht"
Der Deutsche und sein 32-jähriger mutmaßlicher Komplize sollen als vermeintliche Bettler an der Tür der Bankiersgattin geläutet haben. Als die damals 61-Jährige öffnete, soll einer von ihnen versucht haben, sie ins Haus zu drängen. Die Frau schrie aber lauthals, worauf die beiden davonrannten. Die Männer sind wegen erpresserischer Entführung angeklagt. Marvin R. im Brief an die "Krone": "Ich habe eine verdammte Dummheit gemacht und entschuldige mich dafür auch bei den Betroffenen."

Am Donnerstag und am 17. November muss sich Marvin R. in Linz vor Gericht verantworten. Der Strafrahmen beträgt bis zu zehn Jahre Haft. Der 56-Jährige war im Juni von deutschen Ermittlern auch zum Erpressungs- und Mordfall Maria Bögerl, ebenfalls eine Bankiersfrau, befragt worden. Die Polizei Heidenheim geht aber inzwischen davon aus, dass der Mann nichts mit der Tat in Deutschland zu tun hat.

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