Die Vorbereitungen zur Operette „Die stumme Serenade“ des austro-amerikanischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold in der Wiener Kammeroper laufen auf Hochtouren. Mittendrin: Publikumsliebling Stefano Bernardin als finsterer Diktator. Die „Krone“ schaute bei den Proben vorbei.
Am 5. Juni feiert Erich Wolfgang Korngolds Operette „Die stumme Serenade“ in der Wiener Kammeroper österreichische Erstaufführung. Die Premiere dieser schrägen Geschichte rund um ein Bombenattentat und einen verliebten italienischen Modeschöpfer ging einst 1954 in Dortmund über die Bühne, danach gelangte das Stück 53 Jahre nicht zur Aufführung.
Woran lag’s? „Es passte nach dem Krieg nicht mehr recht in die Zeit, in der man bei der Operette eher so eine Heimatfilm-Ästhetik hatte“, erklärt Dirigent Ingo Martin Stadtmüller im „Krone“-Gespräch, „und man konnte es nicht so recht in eine Schublade einordnen, was Mitte des 20. Jahrhunderts nicht so beliebt war. Denn das Stück vereint so viele verschiedene Stile: zum einen Jazz-Operette und dann wieder so richtig großen Opernsound. Es ist einfach toll komponiert, aber in Vergessenheit geraten!“
Ist die Zeit nun reif für Korngolds Serenade? „Die Renaissance eines Stücks, das auch durch historische Umstände vergessen wurde, läuft ja immer über Leute, die es dann wagen, das Stück wieder zu spielen. Und dann sehen es vielleicht andere Theaterdirektoren, die sagen: Ach, das könnte man eigentlich machen! Wenn Sie mich also so fragen: Ja, ich glaube fest an die Rückkehr der ,Stummen Serenade‘ auf die Bühnen dieser Welt!“
Nicht gänzlich stumm, jedoch ohne Gesangspart findet man im Ensemble Schauspieler Stefano Bernardin: „Stellen Sie sich vor, ich müsste mitsingen, dann wäre ich bei dieser Oper garantiert nicht dabei“, lacht Bernardin, „denn ich habe weder eine klassische Gesangsausbildung, noch kann ich Noten lesen. Dafür habe ich gleich eine Doppel-Sprechrolle, spiele den diktatorischen Ministerpräsidenten und einen anarchistischen Bombenleger. Zwei Extremisten, einer faschistoid, der andere linksradikal. Zwei richtige Komplexler. Was wir dabei zeigen wollen: Wenn du dich zu weit nach rechts lehnst, kommst wieder links heraus“.
Eine physische Herausforderung stellt für Bernardin die Darstellung des Diktators dar: „Ich spiele ihn auf Knien herumrutschend mit langem Ledermantel. Das ist ganz schön hart trotz Polsterungen!“ Nach Musical, Theater, Kabarett und nun Oper - was fehlt eigentlich noch in seinem Portfolio? Bernardin (lacht): „Jetzt wäre schön langsam ein Hollywoodfilm an der Reihe!“
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