Guten Morgen

Türkiser Kern | Fliegender Flügel

Türkiser Kern. Rund um den Ibiza-Jahrestag (die Veröffentlichung des Strache-Videos hat sich gerade zum vierten Mal gejährt) denkt man auch an die Rolle von Sebastian Kurz zurück. Dem hat Ibiza ja ein Kalt-Warm-Kalt-Bad beschert. Nach dem Platzen der vielgeliebten türkis-blauen Koalition Ende Mai 2019 feierte er einen sensationellen Wahlerfolg Ende des selben Jahres. Doch letztlich folgte durch die Ermittlungen nach Ibiza auch sein Absturz aus der Politik. Ein Absturz, mit dem weder seine Partei noch er selbst so wirklich umgehen können, was heute „Krone“-Redakteurin Ida Metzger in ihrem „Politik Inoffiziell“ thematisiert. Sie erzählt von schwer genervten ÖVP-Spitzenpolitikern, die sich angesichts der vielen Auftritte des Ex-Obmanns und Ex-Kanzlers denken „Genug ist genug“. Er möge sich, wünschen sie sich, doch ein Vorbild an seinem Vertrauten Gernot Blümel nehmen, der seit seinem Abtritt einfach schweigt. Oder an Werner Faymann, der gleich wie Blümel gänzlich aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden ist. Besonders hart bringt es ein mächtiger ÖVP-Politprofi auf den Punkt, den Metzger zitiert: „Es wird Zeit für einen echten Abschied. Mit seinen häufigen Wortmeldungen entwickelt er sich  zur türkisen Variante von Christian Kern. Zwei Altkanzler, die nicht loslassen können.“ Na bumm, türkiser Kern, das sitzt! Kurz mit seinem Intimfeind von der SPÖ zu vergleichen - mehr braucht er nicht. Vermutlich wird er schon telefonieren, sobald er die „Krone“ gelesen hat. Denn auch das erzählen ÖVP-Politiker: Wer in der Öffentlichkeit nur die leiseste Kritik an Kurz äußere, habe den Ex-Chef umgehend am Telefon und sei heftigen Debatten ausgesetzt. Nicht zuletzt deshalb wird der Kurz-Kritiker in der „Krone“ nicht namentlich genannt. So viel sei aber verraten: Er ist bei weitem nicht der einzige.  

Fliegender Flügel. Wir haben es bereits in unserer Freitag-Ausgabe berichtet - der beinahe zu internationalem Ruhm gelangte „Sobotka-Flügel“ fliegt aus dem Parlament. Voller Inbrunst hatte sich der musikalische Parlamentspräsident für die Aufstellung des sauteuren goldenen Flügels im frisch renovierten Parlament eingesetzt. Zunächst nur gemietet, wollte Sobotka sogar, dass das Bösendorfer-Instrument fix angekauft wird. Nun wird es im Juni zurückgegeben. Vom Präsidenten heißt es, dass die politische Polarisierung in diesem Fall leider viele andere positive Aspekte im neurenovierten Hohen Haus überstrahlt habe. Da scheint er mittlerweile doch etwas verstanden zu haben: Die Österreicher laufen ja anhaltend in großen Scharen in das wunderbar restaurierte Hohe Haus. Sie akzeptieren scheinbar auch die hohen Kosten. Aber mit gutem Gespür wissen sie auch, dass auch hier manchmal (wie oben) gilt: Genug ist genug! Nämlich bei Ausuferungen wie dem goldenen Flügel. Das scheint der Parlamentspräsident nun auch einzusehen. Es war höchste Zeit.

Kommen Sie gut durch den Samstag!

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