Schönste Wanderrouten

Klingende Berge und bieriger Genuss

Vorarlberg
13.05.2023 15:55

Im Rahmen einer geführten Themenwanderung lässt sich die heimische Bergwelt oftmals neu erleben. In Bludenz wurde vor Kurzem die erste Bierwanderung veranstaltet. Die Premiere war überaus gelungen.

Wandern im Ländle ist immer ein Erlebnis. Wer regelmäßig unterwegs ist, dem werden die gängigen Touren vertraut sein. Doch auch Bekanntes lässt sich neu erleben. Die Tourismusbranche in Vorarlberg ist rege und einfallsreich, in fast allen Gemeinden werden Themenwanderungen angeboten und diese haben nicht nur Gästen etwas zu bieten.

Fakten

Typ: geführte Themenwanderung (Veranstaltungsreihe „berge.hören“)
Dauer: insgesamt rund vier Stunden
Veranstalter: Alpenregion Bludenz Tourismus
Route: vom Kloster St. Peter nach Gasünd und durch den Hellwald bis zur Hellwaldhütte; über Rungelin retour
Anmerkung: Die Klang-Rast-Stätte ist von Rungelin oder über verschiedene Wege von Bludenz oder Braz aus zu erreichen (u.a. Montikel-Panoramaweg, Sunna-Weg od. Rundweg ab dem Freizeitbad Val Blu)
Weitere Themenwanderungen und Veranstaltungen im Ober- und Unterland: www.alpenregion-vorarlberg.at oder www.vorarlberg.travel.at

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „berge.hören“ wurde vor Kurzem in Bludenz die erste Bierwanderung in Kooperation mit der Brauerei Fohrenburg veranstaltet. Zahlreiche Interessierte hatten sich hierfür angemeldet. Geleitet und begleitet wurde die Exkursion unter anderem von Wanderführerin Angelina Holzer, Braumeister Felix Schiffner (Fohrenburg) sowie Alfons Feuerstein (Vizeobmann Verein für Tourismus und Freizeit Bludenz). Für die musikalische Begleitung des Events sorgte Roland Franzoi mit seinem vielfältigen Repertoire an deutsch- und italienischsprachigen Liedern.

Gestartet wurde beim Kloster St. Peter, von wo es ein kurzes Stück bergan bis zum Pfadfinderhaus ging, dort war die erste Degustations-Station eingerichtet. Insgesamt wurden während der Tour vier Stopps eingelegt, bei jedem Halt stellt Felix Schiffner das zur Verkostung stehende Bier kurz vor und gab interessante Einblicke in den Entstehungsprozess des Gerstensafts. Dazu wurden regionale Häppchen von der Bäckerei Fuchs und dem Margreitterhof in Braz serviert. Vom Pfadfinderheim führte der Weg über einen durchaus knackigen Anstieg zum Gasünderhof, wo die Teilnehmer mit Blick auf herrliche Magerwiesen und blühende Obstbäume eine wohlverdiente Pause einlegen konnten.

Extensiv bewirtschafteter Wiesen sind in ihrer Vielfalt immer wieder beeindruckend. So gedeiht auf den Gasünder Hängen auch eine heimische Orchideenart - das Männliche Knabenkraut, auch Stattliches oder Kuckucks-Knabenkraut genannt. Umgeben von naturnahen Streuobstwiesen und musikalisch untermalt von Roland Franzoi wurde das von einer internationalen Jury ausgezeichnete Weizenbier ausgeschenkt und anschließend ging es erfrischt und gestärkt weiter.

Klang-Rast-Stätte: Ein Ort, um innezuhalten
Sanft bergab führt die Route von Gasünd durch den Hellwald bis zur sogenannten Klang-Rast-Stätte. Der wohl höchst gelegene Spiel- und Freiraum (840 Meter) in Bludenz liegt am Kreuzungspunkt zweier Wanderwege und ist der ideale Ort, um innezuhalten. Der außergewöhnliche Holzbau an diesem Platz orientiert sich in seiner Form an der heimischen Bergwelt und vereint eine aktive Zone, einen Ruhebereich sowie den namensgebenden Klangraum. In diesem Ambiente wurde ein Käsebuffet kredenzt und das „BIO Hofbier“ verkostet. Wie von Braumeister Felix Schiffner zu erfahren war, wird dieses vergleichsweise junge Bier, das erst 2019 auf den Markt gekommen ist, zur Gänze in Vorarlberg hergestellt. Ein Großteil des bio-zertifizierten Gerstensaftes geht jedoch in die Bundeshauptstadt - und zwar ins Restaurant „Luftburg Kolarik“ im Wiener Prater. Der Gastrobetrieb konzentriert sich seit einigen Jahren hauptsächlich auf Bio-Produkte und hat seine Speise- und Getränkekarte dahingehend ausgerichtet.

Männliches Knabenkraut

Das Männliche Knabenkraut gehört zur Familie der Orchideen und kommt auf mageren Gebirgswiesen, Halbtrockenrasen, lichten Wäldern oder in Steinbrüchen auf wärmeren, basenreichen Böden vor. In Europa steigt die Art auf Höhen bis über 2600 Meter. Der etwas ungewöhnliche Name bezieht sich auf den „stattlichen“ Wuchs der Pflanze. Der Blütenstand kann mit mehr als 30 Einzelblüten besetzt sein und ist zumeist purpurrot gefärbt. Die ersten Blüten erscheinen bereits Ende April, womit das Männliche Knabenkraut zu den früh blühenden Orchideenarten zählt. Im antiken Griechenland glaubte man, dass der Genuss von Knabenkraut-Knollen das Geschlecht von Neugeborenen beeinflussen könne. Veränderungen der mageren und feuchten Wiesenlandschaft sowie intensive Nutzung der Grünflächen haben in den vergangenen Jahren zu einem Rückgang der Bestände geführt, umso schützenswerter sind die Standorte, an denen die Blume noch gedeiht.

Nach diesem Abstecher war es dann nicht mehr weit bis zur Hellwaldhütte, die an diesem Tag vom Team des Sporthotels „Val Blu“ bewirtschaftet wurde. „Bei der Hellwaldhütte handelt es sich um ein ehemaliges Forstarbeiterhäuschen, das der Stadt gehört und einige Jahrzehnte ungenutzt war. Mittlerweile wurde das Gebäude revitalisiert und wird zu besonderen Anlässen bespielt“, berichtete Alfons Feuerstein vom Verein für Tourismus und Freizeit. Das Holzhäuschen verfügt über keinerlei moderne Infrastruktur - es gibt weder Wasser noch Strom -, dafür aber über einen urigen Charme und bietet von seinem Standort einen schönen Ausblick auf die Alpenstadt. Hier wurde ein letztes Mal angestoßen, bevor es über den Weiler Rungelin retour zum Kloster St. Peter ging.

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