Anschlagsserie
D: Bahn-Brandsätze waren in Brotdosen versteckt
Die an den Strecken gefundenen blauen Brotboxen enthielten laut der Zeitung selbstgebaute elektronische Zünder mit einer gelöteten Platine, einer Zeitschaltuhr und Grillanzündern. Der Zünder sollte demnach die Grillanzünder in Brand setzen, diese dann wiederum Flaschen mit leicht brennbarer Flüssigkeit. Die Bahn wollte diese Angaben auf Anfrage der Zeitung nicht bestätigen. Ein Sprecher sagte lediglich: "Wir kontrollieren seit Montag deutschlandweit neuralgische Punkte nach auffälligen Gegenständen."
In den vergangenen Tagen waren an vielen Stellen in und um Berlin an Bahnstrecken die beschriebenen Brandsätze mit Zeitzündern gefunden worden (siehe Infobox). Mindestens zwei davon waren auch explodiert, die anderen zündeten offenbar aufgrund starken Regens nicht. Ein durch eine Explosion ausgelöster Kabelbrand schränkte den Bahnverkehr auf der Strecke von Hamburg nach Berlin über Tage erheblich ein.
Experten: "Kein neuer Linksterrorismus"
Unterdessen sieht der Präsident des deutschen Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, trotz der Brandanschläge nicht die Gefahr eines neuen Linksterrorismus aufziehen. Dieser würde "auch gezielte Anschläge auf Personen voraussetzen", sagte Ziercke dem Nachrichtenmagazin "Focus" laut einem Vorausbericht von Samstag. Das gelte in der linken Szene jedoch "nach wie vor als nicht vermittelbar".
Dieser Meinung ist auch Berlins Innensenator Ehrhart Körting: "Ich sehe nicht die Gefahr, dass wir an der Schwelle zum organisierten Linksterrorismus stehen", sagte er der Zeitschrift. Zwar gingen die Anschläge auf die Eisenbahn "weit über das hinaus, was wir bisher von Linksextremen kannten". Die Gefahr gehe aber weniger von einem organisierten Terrorismus als von "radikalisierten Einzeltätern aus, die verheerende Anschläge mit vielen Opfern verüben könnten".
Innenminister ruft zur Wachsamkeit auf
Auch der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich hatte sich kürzlich gegen eine Bewertung der Taten als neue Form von linksextremistischem Terrorismus gewandt. Allerdings müsse die Gesellschaft "äußerst wachsam sein, dass die in den Anschlägen zum Ausdruck kommende Gewaltbereitschaft sich nicht zu einem neuen Linksterrorismus entwickelt".
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