Ab an den Pranger

Griechenland stellt jetzt seine Steuersünder bloß

Ausland
14.10.2011 16:38
Im Kampf um die Steuermoral ihrer Staatsbürger beschreitet die griechische Regierung jetzt neue Wege. Denn Experten sind sich sicher: Dem Pleite-Land würde es gar nicht so schlecht gehen, wenn nicht so viel Geld am Fiskus vorbeigeschleust würde. Viele "parken" ihr Vermögen einfach im Ausland, andere geben ihre Einkünfte viel zu gering an, manche kombinieren die beiden Methoden. Ein Pranger soll die Steuersünder jetzt brandmarken.

Insgesamt 37 Milliarden Euro schulden die Griechen nach neuesten Berechnungen ihrem Staat. Das sind knapp zwölf Prozent des Gesamtschuldenstandes - und es ist eine erkleckliche Summe im Kampf gegen die drohende Insolvenz.

Finanzminister Evangelos Venizelos (Bild) kündigte am Freitag an, dass er plane, in der kommenden Woche die Steuerhinterzieher "an den Pranger zu stellen", indem er ihre Namen veröffentlicht. Insgesamt gehe es um rund 15.000 Menschen. "Das sind nationale Verbrecher", sparte Venizelos nicht mit deutlichen Worten.

Allein 2009 wurden 5,5 Mrd. € "versteckt"
Allein im Jahr 2009 hätten die Reichen rund 5,5 Milliarden Euro auf illegale Weise ins Ausland geschafft. Venizelos sagte im Parlament, dabei gehe es um 3.718 Personen, 542 davon sollen ein Einkommen von weniger als 1.000 Euro im Jahr angegeben haben. Weitere Nachkontrollen für die Jahre 2010 und 2011 seien im Gange.

Vize-Premier konnte neue Steuer nicht zahlen
Vor gut zwei Wochen hatte die Einführung einer neuen Sondersteuer auf Grundbesitz für Wirbel gesorgt - unter anderem auch deswegen, weil ein prominenter Grieche sie zunächst nicht zahlen konnte: Vize-Premier Theodoros Pangalos hatte öffentlich bekannt gegeben, dass er einige Grundstücke verkaufen muss, um das nötige Geld zusammenzubekommen.

Zöllner im Streik - Spritchaos droht
Doch während die Regierung versucht, die Einnahmen zu erhöhen, bleibt der Geldfluss an anderer Stelle aus. Am Freitag traten die Zöllner des Landes in den Streik. Sie fertigen keine Einfuhren mehr ab. Damit fehlen - zumindest zwischenzeitlich - wichtige Zoll-Einnahmen.

Wie die Gewerkschaft mitteilte, sei der Streik für zehn Tage geplant, könne aber unbefristet ausgedehnt werden. Die Zöllner protestieren gegen Gehaltskürzungen und geplante Entlassungen. Solange die Zöllner streiken, können auch Diesel und Benzin nicht abgefertigt werden und an den Markt gelangen.

Damit droht nun auch ein Zusammenbruch der Spritversorgung. Nach Angaben des Verbandes der Tankwarte reichen die Reserven in den Tankstellen nur für etwa eine Woche. Da aber viele Autofahrer aus Angst, ohne Sprit zu bleiben, am anstehenden Wochenende volltanken, "wird es schon am Montag zu großen Problemen kommen", sagte der Sprecher der Tankwarte im Radio. Vor einigen Tankstellen in Athen bildeten sich am Freitag schon die ersten Schlangen.

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