Reinigung abgesagt
NY: Wall-Street-Demonstranten in Park dürfen bleiben
Die Demonstranten, die die Fläche unweit der Wall Street seit vier Wochen besetzt halten, jubelten. "Wenn das Volk vereinigt ist, kann es nicht besiegt werden", skandierten einige. Es waren auch Schilder zu sehen mit der Aufschrift "Der Klassenkampf beginnt hier!". Die Demonstranten betonten, dass ihr Protest friedlich sein solle. Sie würden aber nicht weichen.
Seit etwa einem Monat kampieren Aktivisten unter dem Motto "Occupy Wall Street", "Besetzt die Wall Street", im kleinen Zuccotti-Park nördlich der Banken- und Börsenstraße. Aus den ursprünglich ein paar Dutzend Studenten sind mittlerweile mehrere Hundert Menschen geworden, denen die Macht der Banken zu groß ist und die höhere Steuern für Reiche und Großunternehmen fordern. Zu einer Demonstration in der vergangenen Woche waren 7.000 Menschen gekommen. Die Proteste blieben weitgehend friedlich, dennoch wurden einige Teilnehmer festgenommen.
Putzkolonne hätte Park reinigen sollen
Ursprünglich hatten am Freitag um 7.00 Uhr Ortszeit (13.00 Uhr MESZ) Putzkolonnen anrücken sollen, um den Park zu reinigen, wie es Bürgermeister Michael Bloomberg angekündigt hatte. Das Gelände, das eigentlich eher eine spärlich begrünte Betonfläche ist, könne die Last der vielen Menschen nicht tragen. Anrainer hätten befürchtet, dass die völlig überfüllten Mistkübel Ratten und Ungeziefer anlockten.
Der Park sollte mit Hochdruckreinigern gesäubert werden, dann dürften die Demonstranten zurück - Zelte und Schlafsäcke würden allerdings nicht mehr geduldet. Die Anhänger der Protestbewegung hatten befürchtet, dass sie unter diesem Vorwand dauerhaft vertrieben werden sollten, und zum Widerstand aufgerufen.
"1:0 für die 99 Prozent"
"Wir sind die 99 Prozent", riefen die Demonstranten in Sprechchören, als die Verschiebung der Räumung eine halbe Stunde vor deren angesetztem Beginn verkündet wurde. "1:0 für die 99 Prozent", schrieben Unterstützer im Chat der Aktion. Die Demonstranten sehen sich als Vertreter der breiten Mehrheit der Bevölkerung, die unter wirtschaftlichen Problemen leide, während das eine Prozent der Finanzelite sich auf ihre Kosten bereichere.
"Dies ist eine Notsituation", hatte die Gruppe, die mit Schlafsäcken im Park campiert, auf ihrer Website geschrieben und damit etliche Unterstützer mobilisiert. "Haltet Bloomberg und Kelly davon ab, 'Occupy Wall Street' gewaltsam zu vertreiben", lautete der Aufruf. Ray Kelly ist der Polizeichef der Millionenmetropole und für sein hartes Durchgreifen bekannt. Im Laufe der Demonstrationen hatte es bereits Hunderte Festnahmen gegeben; die Protestler beklagten sich über rüde Polizeimethoden.
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