Urlaub, Möbel zu teuer

201.000 Österreicher mit geringstem Lebensstandard

Österreich
20.04.2023 11:05
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Teuerungskrise zeigt deutliche soziale Folgen: 201.000 Personen waren in Österreich 2022 erheblich materiell und sozial benachteiligt. Das heißt, dass sich 2,3 Prozent der Bevölkerung mehrere Ausgaben wie neue Möbel, einen Urlaub oder eine angemessene warme Wohnung nicht leisten konnten. 2021 waren es noch 160.000 Personen oder 1,8 Prozent der Bevölkerung. Frauen und Alleinerziehende sind davon besonders betroffen.

Diese Daten hat die Statistik Austria am Donnerstag veröffentlicht. Als erheblich materiell und sozial benachteiligt gilt nach EU-Definition, wer sich mindestens sieben von 13 Merkmalen und Aktivitäten des täglichen Lebens nicht leisten kann. Diese reichen von unerwarteten Ausgaben in der Höhe von 1.300 Euro über einen Urlaub pro Jahr bis hin zu einer angemessenen warmen Wohnung.

Frauen ab 18 Jahren sind am häufigsten betroffen
Von den 201.000 Betroffenen machten Frauen ab 18 Jahren mit 95.000 oder 47 Prozent die größte Gruppe aus. Des Weiteren waren 70.000 Männer ab 18 Jahren (35 Prozent) sowie 36.000 Kinder und Jugendliche (18 Prozent) Teil dieser von absoluten Armutslagen Betroffenen.

Das höchste Risiko erheblicher materieller und sozialer Problemlagen hatten Personen in Einelternhaushalten. Mit 12,7 Prozent war diese Gruppe fünfmal häufiger einer erheblichen materiellen und sozialen Deprivation ausgesetzt als die Gesamtbevölkerung. Alleinlebende Frauen (ohne Pensionistinnen) waren nach der Lebensform betrachtet mit 5,7 Prozent die am zweithäufigsten betroffene Gruppe.

Wohnkosten als extreme Belastung
Jene 201 000 Personen, die einen absolut geringen Lebensstandard aufwiesen, waren auch häufig mit einer überproportionalen Belastung durch Wohnkosten konfrontiert: 28,3 Prozent hatten Wohnkosten, die regelmäßig mehr als 40 Prozent ihres Haushaltseinkommens ausmachten - in der Gesamtbevölkerung waren es hingegen 7,4 Prozent. Dabei wohnten Personen mit materieller und sozialer Deprivation häufiger in - meist kostengünstigeren - Gemeinde oder Genossenschaftswohnungen (in 52,1 Prozent aller Fälle) als insgesamt (22,6 Prozent der Gesamtbevölkerung).

Deutlich wird dabei auch der Zusammenhang zwischen materiellen und sozialen Problemlagen und der Gesundheit: Von den ab 16-Jährigen erheblich materiell und sozial Deprivierten bezeichnete beinahe die Hälfte (48,4 Prozent) ihren allgemeinen Gesundheitszustand als schlecht oder sehr schlecht - in der Bevölkerung ab 16 Jahren insgesamt waren es demgegenüber 8,5 Prozent.

Minister: „Der Sozialstaat trägt“
Sozialminister Johannes Rauch (Grüne) erklärte dazu, dass die soziale Lage in Österreich in einem Jahr mit enorm hoher Inflation „weitgehend stabil“ geblieben sei. „Das zeigt, dass wir mit unseren Hilfsmaßnahmen den richtigen Weg gegangen sind“, betont Rauch in einer Aussendung. Für ihn ist aber klar: „Armutsbekämpfung bleibt ein zentraler Auftrag an die Politik. Jeder Mensch in Armut ist einer zu viel.“ Die gute Nachricht für den Sozialminister ist: „Der Sozialstaat trägt. Ohne Sozialleistungen und Pensionen wäre die Zahl armutsgefährdeter Menschen dreimal so hoch.“ Besonderes Augenmerk will er heuer auf den Kampf gegen Kinderarmut legen.

Rauch bezog sich in seinen Ausführungen auch darauf, dass der Anteil der armutsgefährdeten Personen im Jahr 2022 nur relativ leicht von 14,7 auf 14,8 Prozent gestiegen ist. Das sind 1,3 Millionen Menschen. Armuts- oder ausgrenzungsgefährdet waren 1,55 Millionen Menschen (17,5 Prozent), darunter 353.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet gilt ein Haushalt, wenn er erheblich materiell und sozial benachteiligt, also von absoluter Armut betroffen ist, oder weniger als 60 Prozent des Medianeinkommen zur Verfügung hat oder im nur geringen Ausmaß ins Erwerbsleben eingebunden ist.

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