Vergabe in Oslo
Friedensnobelpreis 2011 geht an drei Frauen
Wie es in einer Mitteilung des Nobelkomitees hieß, werde der gewaltlose Kampf der drei Preisträgerinnen für Frauenrechte sowie die Sicherheit von Frauen geehrt. "Wir können keine Demokratie und keinen dauerhaften Frieden erlangen, solange Frauen nicht die gleichen Möglichkeiten wie Männer bekommen, die Entwicklungen in allen Gesellschaftsbereichen zu beeinflussen", so das Komitee. Man hoffe, dass die diesjährige Entscheidung dazu beitragen werde, "die Unterdrückung von Frauen, die immer noch in vielen Ländern stattfindet, zu beenden, und sich des großen Potenzials bewusst zu werden, das Frauen für Demokratie und Frauen bedeuten."
Johnson-Sirleaf: Erstes weibliches Staatsoberhaupt Afrikas
Mit Johnson-Sirleaf wurde im Jahr 2006 erstmals eine Frau an die Spitze eines afrikanischen Staates gewählt, kommende Woche stellt sie sich der Wiederwahl. Laut dem Komitee habe sie sich seit ihrem Amtsantritt für die Förderung des Friedens in Liberia sowie für wirtschaftliche und soziale Entwicklung eingesetzt. Außerdem sei Johnson-Sirleaf ständig um die Stärkung der Position der Frauen bemüht.
Johnson-Sirleaf bezeichnete den ihr zuerkannten Friedensnobelpreis als "riesige Überraschung". In einem Telefon-Interview mit dem norwegischen Rundfunksender NRK sagte die 72-Jährige: "Ach! Ich bin so überwältigt und aufgeregt, dass mir die Worte fehlen. Ich habe nie geglaubt, dass ich diesen Preis bekommen würde. Es gibt so viele Menschen, die ihn verdient haben. Für mich ist er die Anerkennung für sehr viele Jahre voller Kampf." Der Preis sei auch "wunderbarer Ausdruck für die Hoffnung auf ein neues Liberia".
Johnson-Sirleaf hat eine atemberaubende Karriere hinter sich: Die 72-Jährige hat in Harvard studiert und erklomm anschließend Schritt für Schritt die Karriereleiter - unter anderem bei den Vereinten Nationen und der Weltbank. Sie gehört zu den wenigen Frauen in Afrika, die in der Politik schon vor Jahrzehnten eine Rolle spielten. Sie war Kabinettsmitglied der liberianischen Regierung, die 1980 im Putsch von Samuel Doe gestürzt wurde. Später wurde Johnson-Sirleaf wegen Landesverrats verurteilt und ihr Haus geplündert, schließlich ging sie ins Exil.
Vor fünf Jahren kam dann mit dem Sieg bei der liberianischen Präsidentenwahl der Höhepunkt ihrer politischen Karriere. "Dies öffnet die Tür für Frauen auf dem gesamten Kontinent", sagte Johnson-Sirleaf damals. "Und ich bin stolz darauf, dass ich diejenige bin, die die Tür öffnet." Obwohl sie als "Eiserne Lady" gilt - integer, unbeugsam und willensstark - war die Aufgabe, die sie dann erwartete, alles andere als einfach.
Die 1938 in Monrovia geborene Ökonomin musste die Zügel eines Landes in die Hand nehmen, das nach mehr als zehn Jahren Bürgerkrieg am Rande des Abgrunds stand. Eine der Prioritäten der vierfachen Mutter und achtfachen Großmutter war von Anfang an die Reintegration traumatisierter Ex-Kindersoldaten. Zudem hat sie eine "Wahrheits- und Versöhnungskommission" nach südafrikanischem Vorbild eingerichtet, die die Schreckenstaten des Bürgerkriegs untersuchen und Frieden und Stabilität in dem Krisenland wiederherstellen soll.
Leymah Roberta Gbowee: Gewaltfreier Protest ganz in Weiß
Leymah Gbowee habe laut dem Nobelkomitee in Liberia Frauen über alle ethnischen und religiösen Grenzen hinweg mobilisiert, um dem jahrelangen Bürgerkrieg ein Ende zu setzen. Nach dem Krieg habe sie ihre Friedensbemühungen zudem in anderen westafrikanischen Staaten fortgesetzt.
Vor zehn Jahren wurde die in Monrovia geborene Gbowee (39) Koordinatorin der Organisation "Women in Peacebuilding". Ein Jahr später gründete sie die Bewegung "Women of Liberia Mass Action for Peace". Gewaltfreie Protestaktionen von Frauen und Müttern gegen den damaligen Präsidenten Charles Taylor standen im Mittelpunkt ihrer Initiativen. Als Zeichen für Reinheit und Friedenswillen trugen alle Teilnehmerinnen damals konsequent weiße Kleidung. 2006 wurde Gbowee zur regionalen Beraterin der Organisation "Women Peace and Security Network Africa" ernannt, die sie heute leitet.
Mit der Wahl Gbowees, die am Eastern Mennonite University in Harrisonburg im US-Bundesstaat Virginia studierte, wurde betont, welch wichtige Rolle Frauen bei der Lösung von Konflikten und beim Schaffen von Frieden spielen. Schon in ganz jungen Jahren arbeitete Gbowee als Streetworkerin. Sie versuchte, den unzähligen vom Krieg gezeichneten liberianischen Kindern und Jugendlichen zu helfen.
Tawakkul Karman: Gesicht der Demokratiebewegung im Jemen
Nach Angaben des Nobelkomitees habe Tawakkul Karman unter schwierigsten Umständen eine führende Rolle im Kampf für Frauenrechte, Demokratie und Frieden im Jemen gespielt, "sowohl vor als auch während des Arabischen Frühlings". Die 32-jährige Mutter von drei Kindern ist schon von vielen Seiten angefeindet worden. Das Regime von Präsident Ali Abdullah Saleh hat versucht, sie mundtot zu machen. Radikale Islamisten haben ihr vorgeworfen, sie versuche, die Frauen zur Rebellion gegen ihre Männer anzustacheln.
Angefangen hatte Karmans "Protestkarriere", als sie erlebte, wie ein einflussreicher Scheich in der Provinz Ibb Familien von ihrem Land vertrieb. Die Journalistin begann, zu überlegen, wie man gegen Arbeitslosigkeit und Ungerechtigkeit kämpfen könnte und kam zu dem Schluss, das dies ohne einen Wechsel in der Führungsetage in Sanaa nicht zu bewerkstelligen ist. In den vergangenen Monaten stand sie bei den Demonstrationen in Sanaa oft in der ersten Reihe.
In ihrer ersten Reaktion widmete Karman ihren Friedensnobelpreis dem Arabischen Frühling, dessen Protagonisten als Favoriten bei der diesjährigen Verleihung gegolten hatten. Die Auszeichnung sei eine Ehre für alle Araber, Muslime und Frauen, sagte Karman dem in Dubai ansässigen TV-Sender Al Arabiya. "Ich widme diesen Preis den Aktivisten des arabischen Frühlings." Karman ist die erste Araberin, die den Friedensnobelpreis erhält.
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