Treffen in Seattle
Amanda Knox lädt italienischen Ex-Freund in USA ein
Die 24-jährige Amanda Knox und ihr Ex-Freund waren Anfang der Woche aus der Haft entlassen worden, nachdem sie im Berufungsverfahren in Perugia von dem Verdacht freigesprochen worden waren, für den gewaltsamen Tod der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher im November 2007 verantwortlich zu sein. Seiner sofort in die USA ausgereisten Tochter gehe es "bemerkenswert gut", sagte Curt Knox.
Italiener soll wieder "in die Spur" kommen
Während Amanda und Raffaele getrennt inhaftiert gewesen seien, hätten sie brieflich fortwährend in Kontakt gestanden. Daher sei die Familie Sollecito nach Seattle eingeladen worden. So wolle seine Familie dazu beitragen, dass auch der Italiener wieder "in die Spur" komme. Er hoffe, Kerchers Hinterbliebene könnten eines Tages die "Wahrheit" anerkennen, dass Amanda und Raffaele "nichts mit dem Tod von Meredith zu tun" gehabt hätten. Curt Knox sagte voraus, seine Tochter werde "zu einer Art Aktivistin für fälschlich verurteilte Menschen".
Sollecito, der in seinen Heimatort Bisceglie zurückgekehrt ist, weigerte sich bisher, Journalisten zu treffen. "Er ist stark mitgenommen", berichteten die Angehörigen. Im Gefängnis habe sich der 27-Jährige der Religion genähert. "Lange habe ich mich gefragt, warum gerade mir all das geschehen ist. Dann habe ich aber aufgehört, mir diese Frage zu stellen. Ich bin sicher, dass dieses Opfer einen Sinn haben wird", wurde Sollecito von Angehörigen zitiert.
Zweifel an den DNA-Tests führten zu Freispruch
Das Gericht erster Instanz hatte es 2009 als erwiesen angesehen, dass Knox und Sollecito die Britin unter Einfluss von Drogen und Alkohol getötet hatten, während Rudy Guede, ein ebenfalls berauschter Bekannter, die Arme des Opfers festhielt. Der 25-Jährige war nach einem Teilgeständnis zu 16 Jahren Haft verurteilt worden. Im jetzigen Berufungsverfahren äußerten unabhängige Experten jedoch ernsthafte Zweifel an den DNA-Tests, die zur Verurteilung von Knox und Sollecito geführt hatten. Die beiden Angeklagten beteuerten stets ihre Unschuld. Nur wenige Stunden nach dem Freispruch am Montag stieg Knox in Rom ins Flugzeug Richtung Seattle.
Indes hat sich der Präsident des Schwurgerichts von Perugia, Claudio Pratillo Hellmann, für neue Ermittlungen in dem Mordfall ausgesprochen. Diese seien notwendig, weil die Mörder von Kercher noch frei seien, sagte der Richter am Donnerstag in einem TV-Interview. Die Fahnder gehen davon aus, dass Guede, der in der Strafanstalt der mittelitalienischen Stadt Viterbo seine Strafe absitzt, beim Tod der britischen Studentin nicht allein war.
Auch Guede will Wiederaufnahme des Prozesses
Nach dem Freispruch von Knox und Sollecito will Guede einen Antrag auf Wiederaufnahme des Prozesses stellen. "Wenn die beiden unschuldig sind, bin ich es auch. Ich möchte wissen, warum ich als einziger für diesen Fall zahlen muss", sagte Guede laut italienischen Medien. Der Freispruch von Knox und Sollecito habe ihn zutiefst erschüttert. "Nicht einmal, als ich selber verurteilt worden bin, habe ich mich so schlecht gefühlt", so Guede.
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