Bei Protestmarsch

Anti-Wall-Street: Mit Schlagstöcken gegen Aktivisten

Ausland
06.10.2011 08:25
Rund 7.000 Demonstranten haben am Mittwoch in New York erneut gegen die Macht der Banken und die wachsende Ungleichheit in den USA protestiert. Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot zog der Marsch durch den Finanzdistrikt in Manhattan. Um die Demonstranten daran zu hindern, in die Wall Street vorzudringen, setzten Beamte dann neben Pfefferspray auch Schlagstöcke gegen die Aktivisten ein.

Die Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie "Rettet unsere Republik" und "Gleichheit, Demokratie, Revolution". Die zumeist jungen Protestteilnehmer skandierten "Wir sind 99 Prozent" und spielten damit auf das reichste Prozent der US-Bevölkerung an, von dem sie sich hintergangen fühlen.

Videos zeigen Übergriffe der Polizei
Bereits Stunden vor der Demonstration versammelten sich am Mittwoch rund 2.000 Menschen im New Yorker Zuccotti-Park. Als die Aktivisten dann versuchten, in die Wall Street zu gelangen, griffen Polizisten zu Schlagstöcken und Pfefferspray. Teilnehmer hielten die Übergriffe auf Video fest und machten sie auf YouTube für jedermann zugänglich.

Auch ein Fotograf und ein Journalist des konservativen Nachrichtensenders Foxnews wurden von den Beamten nicht verschont. Die Aktivisten sprechen auf der Internetplattform "OccupyWallStreet" ("Besetzt die Wall Street") bisher von rund 20 Festnahmen und mehreren Verletzten. Medien berichteten von insgesamt 28 Festnahmen.

Am vergangenen Wochenende waren bei einem ähnlichen Protestmarsch auf der New Yorker Brooklyn Bridge mehr als 700 Menschen vorübergehend festgenommen worden (siehe Infobox). Die Brücke musste wegen der Kundgebung am Samstagnachmittag für mehrere Stunden gesperrt werden.

Gewerkschaften schließen sich Protesten an
Die Protestbewegung hatte in den vergangenen Tagen immer mehr Zulauf erhalten, nachdem Mitte September erste Aktivisten im Zuccotti-Park unweit der Wall Street ein Protestcamp aufgeschlagen hatten. Mittlerweile kann die Bewegung auf die Rückendeckung von führenden Gewerkschaften zählen. Auch in Los Angeles, Boston, Chicago und anderen Städten haben sich kleine Ableger der Wall-Street-Kritiker formiert.

Genauen Ziele der Bewegung nach wie vor unklar
Die genauen Ziele der heterogenen Gruppe mit dem Motto "Occupy Wall Street" sind unklar. Die Liste der Beschwerden reicht von teuren Studiengebühren über die hohe Arbeitslosigkeit bis zu sinkenden Renten. Zusammengehalten wird die Bewegung von der Wut darüber, dass vor allem die Mittelschicht und die ärmere Bevölkerung unter den Folgen der Finanzkrise zu leiden hätten.

"Ich glaube, dass sich jeder hier ausgeraubt fühlt", sagte die 29-jährige Lindsey Personette. "Sie haben es schwer, über die Runden zu kommen." Die 26-jährige Kelly Wells, die aus dem Bundesstaat Oregon an der Westküste für die Proteste nach New York gekommen ist, hofft auf weiteren Schwung durch die wachsende Unterstützung: "Mehr Teilnehmer, mehr Macht, mehr Öffentlichkeit."

Gegen die "ungezügelte Gier"
Die New Yorker Abgeordnete Louise Slaughter, die für die Demokraten im Repräsentantenhaus sitzt, äußerte ihre Sympathie für die Bewegung. Slaughter sagte, sie sei "so stolz", dass die Wall-Street-Kritiker sich gegen die "ungezügelte Gier" bei Banken und Konzernen erheben würden und "friedlich an unserer Demokratie teilnehmen".

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