Fr, 21. September 2018

Pixelig wie 1990

22.09.2011 11:12

Düsteres Abenteuer für Retro-Fans: "Gemini Rue"

Pixelig wie in den 1990ern - das Indie-Game "Gemini Rue" lässt die gute alte Zeit der Point&Click-Adventures wieder aufleben. Entwickelt wurde das Spiel mit düsterem Sci-Fi-Setting vom US-Studenten Joshua Nuernberger, nun ist es mit deutscher Sprachausgabe erschienen.

Am Anfang steht Azriel Odin, der sich in der dunklen, verregneten Welt Barracus nicht nur mit der Suche nach seinem verschollenen Bruder mächtige Feinde macht. Schließlich arbeitet der ehemalige Killer als Detektiv und hilft Aussteigern aus dem dreckigen Gewerbe - weshalb ihn die Boryokudan-Mafia lieber heute als morgen tot sehen möchte.

Den zweiten Hauptdarsteller hat ein noch schlimmeres Schicksal ereilt: Delta Six genannt hat er keine Erinnerung an seine Vergangenheit und lebt in einem lückenlos überwachten, futuristischen Gefängnis, in dem strenge Regeln herrschen.

Der Spieler schlüpft abwechselnd in die Rollen der beiden Protagonisten. Dabei gilt es je nach Person, verschiedene Aufgaben zu erledigen. Azriel verbringt seine Zeit ganz dem Job entsprechend vor allem mit Detektivarbeit: Befragungen, die Suche nach Verdächtigen und Informationen stehen im Vordergrund. Zudem verfügt Azriel standardmäßig über Waffe, Kommunikator und Werkzeug, um Schlösser zu knacken. Delta Six hingegen kommt mit weit weniger Inventargegenstände aus, schließlich sitzt er im Gefängnis. Er muss herausfinden, weshalb sein Gedächtnis gelöscht wurde und wem er bei einem möglichen Fluchtversuch trauen könnte.

Neben der pixeligen Grafik erinnert auch die Steuerung an frühere Zeiten: Der Spieler muss Hotspots finden - Hilfe in Form einer Hotspotanzeige gibt es leider nicht - und diesen per Rechtsklick eine Aktion zuweisen. Die richtige Wahl - etwa Betrachten, Sprechen oder Berühren - ist dabei entscheidend, das Spiel verzeiht keine Ungenauigkeiten. Die eigentlichen Rätsel sind hingegen meist logisch aufgebaut - eine Hilfefunktion zur Erklärung hätte allerdings auch hier an manchen Stellen nicht geschadet. Dennoch überzeugen die zahlreiche Kopfnüsse, die es zu lösen gilt. Inventar-Kombinationsaufgaben gibt es dagegen dankenswerterweise nur wenige.

Ungewöhnlich für ein Point&Click-Adventure sind die Schießeinlagen: Von Zeit zu Zeit müssen sich die Protagonisten mit Waffen ihrer Gegner erwehren. Dies geschieht durch ein Zusammenspiel von Maus- und Tastatursteuerung - die Pistole will schließlich nicht nur abgefeuert, sondern etwa auch geladen werden, außerdem muss der Schütze Deckung suchen. In diesen Sequenzen können die Darsteller sterben, allerdings speichert "Gemini Rue" automatisch vor jedem Kampf, sodass kein Schaden entsteht. Zudem lässt sich der Schwierigkeitsgrad der bewaffneten Auseinandersetzungen in drei Stufen regulieren.

Etwa ab der Hälfte des Spiels kann der Gamer frei entscheiden, welchen Handlungsstrang er gerade verfolgen möchte - abzuschließen sind zwar beide, doch die Wahlmöglichkeit überzeugt. Genau wie die englischen Sprachausgabe, die ebenfalls im Spiel enthalten ist. Die deutschen Sprecher können da leider - untypisch für Publisher Daedalic - nicht ganz mithalten. Dafür begeistert der Soundtrack, der dem Spiel als kostenloses Extra beiliegt. Die Grafik hingegen ist streitbar. Ihre wahre Freude daran werden wohl vor allem Retro-Fans, die ihre Anfangsjahre als Gamer in den 1990ern verbrachten, haben. Dem Spielspaß tut die pixelige Grafix aber auch bei allen anderen keinen Abbruch.

Fazit: "Gemini Rue" kann Retro-Fans mit seiner Steuerung und Grafik überzeugen, den Rest jedoch mit der spannenden Story samt grandioser Auflösung. Die Geschichte wird von gelungenen Rätseln und einem wunderbaren Soundtrack vorangetrieben, von den sehr guten englischen Sprechern zum Leben erweckt. Ein Spiel, das packt und mitreißt - schließlich widmet es sich einer der zentralen Fragen unseres Lebens: Was ist der Mensch?

Plattform: PC
Publisher: Daedalic
krone.at-
Wertung: 8/10

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