Mo, 20. August 2018

Vernetztes Auto

14.09.2011 16:17

Gefahr durch Viren & Co.: Internet am Steuer wird Realität

Die Zukunft ist vernetzt, da sind sich die Experten einig. Das gilt für Geräte ebenso wie für das Haus oder das Auto. Wie Letzteres einmal aussehen könnte und welche Neuerungen sich die Hersteller durch die Vernetzung des Autos erhoffen, ist derzeit auf der IAA in Frankfurt zu sehen. Ganz problemlos dürfte sich der Einzug des Internets ins Auto aber nicht gestalten: Virenhersteller warnen bereits vor den Risiken, die das vernetzte Auto mit sich bringt.

An Visionen für das vernetzte Auto der Zukunft hat es in den letzten Jahren nicht gemangelt, doch die Realität war bisher eher ernüchternd. Während Entwickler davon schwärmten, wie intelligente Fahrzeuge mitdenken und sich automatisch vor Gefahren auf der Straße warnen können, musste der Käufer Hunderte Euro für Navi-Radios mit eingeschränktem Funktionsumfang hinblättern. Doch der Vormarsch der Smartphones mit ihren unendlichen Möglichkeiten hat vieles verändert.

"Wenn wir den Leuten nicht etwas Ordentliches bieten, holen sie während der Fahrt ihr Telefon raus, auch wenn es verboten ist", sind sich Fachleute von Autobauern und Ausrüstern bewusst. Auf der diesjährigen IAA in Frankfurt ist das Internet im Auto daher großes Thema. Auch die kommende CES Anfang Jänner in Las Vegas soll ganz im Zeichen der Digitaltechnik fürs Auto stehen (siehe Infobox).

"Das Auto wird zum mobilen Endgerät"
Die Autobranche folgt dabei dem Muster der Smartphone-Revolution mit den Schlagworten Apps und Cloud. Die Apps, die kleinen Programme, sind dazu da, einzelne Funktionen zu erledigen. In der Cloud, der Internet-Wolke, liegen die Daten. Während früher Geräte im Mittelpunkt standen, spielt heute immer mehr Software die Hauptrolle, das "Eisen" ist nur die Bühne, auf der sie läuft. "Das Auto wird zum mobilen Endgerät", bringt es ein BMW-Experte auf den Punkt.

Eine entscheidende Herausforderung gibt es dabei allerdings: Die Menschen fahren, während sie Internetdienste nutzen und dürfen nicht abgelenkt werden. Der Kompromiss zwischen Bedienkomfort und der Notwendigkeit, die Augen auf die Straße zu richten, ist ein ewiges Problem. Ist ja schön und gut, dass man Internet im Auto hat, aber wie tippt man ein Ziel oder eine Google-Suchanfrage ein? BMW setzt noch auf den Drehknopf zur Eingabe einzelner Buchstaben, Audi lässt Fahrer Buchstaben auf einen Touchscreen malen.

Das Argument Fahrsicherheit prägt auch die Art, wie Apps im Auto genutzt werden können. Man kann schließlich nicht die ganze Zeit bei Facebook oder Twitter blättern. Die Lösung: Die Nachrichten werden vom System vorgelesen. Eigene SIM-Karten sind vorerst nur selten vorgesehen, meist sorgt das Smartphone für die Verbindung zum Internet - und viele Programme laufen auf dem Telefon und werden auf dem Bildschirm des Autos nur angezeigt. Das Autosystem wird gewissermaßen zum Smartphone-Zusatz.

Eigene App-Plattformen fürs Auto
Doch das soll nicht so bleiben. Ford will zusammen mit dem Start-up Bug Labs eine eigene App-Plattform für seine Fahrzeuge entwickeln. Der deutsche Zulieferer Continental zeigt auf der IAA eine Studie, in der zwei Bildschirme das Armaturenbrett ausfüllen, mit allen Anzeigen von Geschwindigkeit bis zu Navigation oder Unterhaltung. In drei bis fünf Jahren könnte ein solches System in Serienautos auftauchen. Die Anzeige ist frei konfigurierbar, auch wenn der Verbraucher wahrscheinlich zumindest nicht den vollen Zugriff darauf bekommen wird. Zeichen der Zeit: Das Conti-System "AutoLinq" läuft mit dem Google-Betriebssystem Android, der meistbenutzten Smartphone-Plattform der Welt.

Das veränderte Geschäft lockt auch neue Wettbewerber an - wie den US-Konzern Harman International, der noch vor ein paar Jahren vor allem für Musikanlagen bekannt war. "Meine 23-jährige Tochter hat mich einmal gefragt: 'Papa, warum soll ich 1.000 oder 2.000 Dollar für ein Autosystem ausgeben, das weniger als mein Smartphone kann?'", witterte Harman-Chef Dinesh Paliwal eine Marktlücke.

Zur IAA brachte Harman daher nicht nur einen Ferrari mit einem 18-Lautsprecher-System mit, sondern auch die App-Plattform "aha", mit der man sich Facebook-Nachrichten vorlesen oder Hörbücher aus der Cloud abspielen kann. "Die künftige Dominanz der Software gibt uns eine Chance, mit etablierten Zulieferern mitzuspielen", zeigt man sich bei Harman überzeugt.

Wovor der Airbag nicht schützt
Der Markt steht jedenfalls vor einem explosiven Wachstum. Das Beratungsunternehmen Oliver Wyman rechnet damit, dass zum Jahr 2016 der Anteil vernetzter Neuwagen bereits bei 80 Prozent liegen wird. Der Markt steht aber auch vor neuen Herausforderungen. Denn mit dem Einzug des World Wide Web in die Automobile steigt wie bei PCs und Smartphones die Gefahr einer Infektion durch Viren und Trojaner, warnt etwa der Sicherheitsanbieter Kaspersky.

Heute würden in einem Auto durchschnittlich 100 Steuersysteme verwendet, allesamt angetrieben von unterschiedlicher Software. Im Falle des Chevrolet Volt werden zehn Millionen Zeilen Quellcode verwendet. Das liege mengenmäßig auf dem Niveau eines Windows NT 4.0, mit damals – Mitte der 90er-Jahre - rund zwölf Millionen Zeilen Quellcode, so der Sicherheitsanbieter. Das sicherheitstechnische Niveau dieser Architekturen dürfte sich aber noch unter dem des guten alten Windows NT befinden.

Autos erfolgreich gehackt
Studenten der University of Washington und der University of California San Diego hätten dies bereits erfolgreich unter Beweis gestellt. Durch Analyse und Manipulation der Datenpakete sei es ihnen gelungen, die volle Kontrolle über alle möglichen Untersysteme eines Autos – darunter die Bremsen - zu übernehmen und Schadcode in die Telematik-Einheit einzuschleusen. Rudimentäre Netzwerk-Schutzmechanismen seien dabei laut Kaspersky einfach umgangen worden.

"Schreckliche Risiken für die eigene Sicherheit"
"Je mehr digitale Funktionen in ein Auto implementiert werden, umso größer ist das Risiko einer Attacke oder Manipulation", meint auch Stuart McClure, Senior-Vizepräsident des Sicherheitsanbieters McAfee. Ein Angriff auf das E-Mail-Postfach oder das Notebook sei die eine Sache, ein Hack des Autos jedoch eine ganz andere, könnte dieser doch schreckliche Risiken für die eigene Sicherheit bergen.

Wie McAfee in einem aktuellen "Autoreport" erklärt, sind die Risiken für Autofahrer vielzählig. So könnten Cyberkriminelle Autos aus der Ferne etwa mittels Smartphone aufsperren, starten oder sogar ganz außer Gefecht setzen. Zudem ließen sich der genaue Aufenthaltsortort und zurückgelegte Routen verfolgen. Auch der Diebstahl persönlicher Daten über eine integrierte Bluetooth-Einrichtung oder das Stören eines Navigationsgeräts sei möglich, warnt McAfee und appelliert an die Hersteller, entsprechende Sicherheitslösungen zu entwickeln – zum Wohle der Autofahrer.

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