Tirols Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Hechenberger warnt vor Billig-Fleisch-Importen aus Südamerika: Diese seien ein „Schaden für die Umwelt und unsere Bauern“! Deshalb fordert er ein Umdenken, bevor es zu spät sei.
Obwohl sich Österreich bereits im Jahr 2019 mittels Veto gegen das umstrittene Mercosur-Handelsabkommen ausgesprochen hat, ist das Thema längst nicht vom Tisch. Hinter dem spanischen Wort verbirgt sich eine südamerikanische Wirtschaftsorganisation, die Geschäfte mit der EU machen möchte. Während Industrie und Wirtschaft das Abkommen positiv sehen – man würde sich dadurch vier Milliarden Euro an Zollkosten jährlich ersparen –, sieht es die Landwirtschaft höchst skeptisch.
Grund: Die höheren Importquoten agrarischer Produkte würden den Marktdruck auf unsere Höfe weiter verschärfen. Und das, obwohl die Produktionsbedingungen komplett unterschiedlich sind.
Die österreichische Landwirtschaft produziert bereits sehr nachhaltig und hat durch die hohen gesetzlichen Standards auch entsprechend höhere Kosten zu stemmen.
NR Josef Hechenberger, Tiroler Landwirtschaftskammer-Präsident
Auch die Umweltorganisationen sehen das Abkommen kritisch, da es negative Auswirkungen auf das Weltklima habe. So führt zum Beispiel der WWF aus, dass die zusätzlichen Rindfleisch-Importe in den Mercosur-Staaten zu einer weiteren Entwaldung von 700.000 ha führen würde.
Keine Abhängigkeit gefordert
Ein scharfer Kritiker ist natürlich auch der Tiroler Landwirtschaftskammer-Präsident NR Josef Hechenberger. „Die österreichische Landwirtschaft produziert bereits sehr nachhaltig und hat durch die hohen gesetzlichen Standards auch entsprechend höhere Kosten zu stemmen. Dass zugunsten der Industrie mit Billig-Agrarimporten aus den Mercosur-Staaten unsere kleinen Strukturen noch mehr unter Druck kommen, kann es nicht sein.
Europa sollte sich gerade im Lebensmittelbereich nicht weiter in irgendwelche Abhängigkeiten begeben“, erklärt er gegenüber der „Krone“.
„Umdenken, bevor es zu spät ist“
Innerhalb der EU soll die landwirtschaftliche Produktion durch den „Green Deal“ ausgebremst, sogar Flächen stillgelegt werden - alles für den Klimaschutz. „Und dann importieren wir jährlich tonnenweise Rindfleisch aus Übersee, wo weder Umweltstandards noch faire Arbeitsbedingungen besonders hochgehalten werden“, so Hechenberger weiter.
Im Agrarbereich passiere gerade das, was andere Sektoren schon hinter sich haben: Durch immer höhere Standards werde die eigene Lebensmittelproduktion in Gebiete verdrängt, die das billiger machen können, auch weil die Auflagen andere – oder überhaupt nicht vorhanden – sind. „Auf der anderen Seite legt man den Betrieben vor der Haustüre immer mehr Steine in den Weg und importiert dann scheinheilig Billigware aus dem Ausland. Hier braucht es endlich ein Umdenken, bevor es endgültig zu spät ist“, sagt Präsident Hechenberger abschließend.
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