Welche Schuld hat die Firma AustroCel am fatalen Unfall? Im Juni 2021 starb in Salzburg ein Mitarbeiter nach einer Giftgas-Explosion. Die Vorwürfe der Justiz sind groß, die Anklage liest sich heftig. Jetzt meldet sich das Unternehmen zu Wort.
„Aufklärung und Aufarbeitung tun Not.“ Kurz und knapp melden sich die Verantwortlichen des Unternehmens AustroCel gegenüber der „Krone“ zu Wort. Man sei froh, dass die juristischen Ermittlungen Fahrt aufgenommen haben. Was man zu den gravierenden Vorwürfen der Staatsanwaltschaft rund um den tödlichen Giftgas-Unfall im Jahr 2021 zu sagen hat? Vorerst nichts. Man verweist auf Anfrage auf das „laufende Verfahren.“ AustroCel sei an einer „vollumfänglichen Aufarbeitung interessiert“, teilt das Unternehmen mit.
Arbeiter starb, drei Verletzte
Zur Erinnerung: Am 2. Juni 2021 explodierte am Betriebsgelände der Halleiner Firma eine Hochdruck-Gasleitung. 147 Grad Celsius heißes Schwefeldioxid trat aus. Ein 54-jähriger Arbeiter starb an Verbrennungen und Verätzungen. Er war jahrzehntelang im Unternehmen beschäftigt. Drei weitere Personen klagten über gesundheitliche Probleme, weil sie das giftige Schwefeldioxid eingeatmet hatten. Eine Verletzte verlor das Bewusstsein.
Die Justiz ermittelte monatelang, jetzt erhob die Staatsanwaltschaft Anklage. Und die hat es in sich – die „Krone“ berichtete. Der Ex-Geschäftsführer und drei Techniker werden sich wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Umweltgefährdung vor Gericht verantworten müssen.
Denn: Die Firma soll seit 2004 – und damit knapp 15 Jahre – praktisch alle Sicherheitsregeln missachtet haben. Ein „völlig ungeeignetes Rohr“ soll jahrelang als Hochdruckleitung verwendet worden sein.
Gasleitung als tickende Zeitbombe
Laut Anklage hatte das Rohr nur eine Nennwanddicke von 1,8 Millimetern. Gesetzlich vorgeschrieben wären 3,0 Millimeter. Regelmäßige Überprüfungen habe es nicht gegeben. Und das, obwohl „bei sämtlichen Hochdruckgasrohrleitungen bei den jeweiligen Kochern durch Korrosion verursachte Löcher in den Schweißnähten sichtbar waren“, heißt es wörtlich im Strafantrag. Anders ausgedrückt: Die Gasleitung dürfte eine tickende Zeitbombe gewesen sein.
Erst zehn Monate nach dem tödlichen Unfall starten AustroCel wieder in den Vollbetrieb. Zuvor ließ man alle Rohrleitungen überprüfen und warten. Mittlerweile gibt es – mit Ausnahme der Druckbehälter – eine komplett neue Zellstoffkocherei.









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