Schock-Anrufe in Tirol

Zehntausende Euro und Schmuck für Corona-Spritze

Tirol
21.12.2022 08:52

Die Betrugswelle mit sogenannten Schock-Anrufen in Tirol reißt nicht ab: Nachdem am Montag zwei Seniorinnen insgesamt rund 200.000 Euro an Kriminelle verloren hatten, geriet am Dienstag ein 75-jähriger Innsbrucker ins Visier von solch skrupellosen Ganoven. Er sollte Zehntausende Euro und Schmuck herausrücken, weil seine vermeintlich an Corona erkrankte Tochter in Lebensgefahr sei und dringend eine teure Spritze benötige.

Dieses Lügenmärchen, mit dem Betrüger schnell zu viel Geld kommen wollen, ist in Tirol neu. Kurz vor 15 Uhr bekam der 75-Jährige am Dienstag einen Anruf. In der Leitung: eine Frau, die Hochdeutsch sprach und sich als Oberärztin Dr. Müller ausgab. „Die angebliche Medizinerin teilte mit, dass die Tochter des Mannes schwer an Corona erkrankt sei und kaum noch Luft bekomme. Sie benötige daher dringend eine Spritze, die jedoch sehr teuer sei“, schildert die Polizei.

Opfer wollte Betrüger in Falle locken
Doch der gewiefte Pensionist durchschaute die Betrügerin, erkannte den Trick. Und er wollte sie und ihre Komplizen offenbar überführen. „Er behauptete, einen fünfstelligen Eurobetrag zu Hause zu haben. Die Anruferin erwiderte, dass das zu wenig sei, und fragte nach Schmuck. Der 75-Jährige antwortete, dass er auch wertvolle Schmuckgegenstände daheim habe“, so die Ermittler weiter. Die dreiste Anruferin gab sich schließlich zufrieden und sagte, dass eine Ambulanz kommen und das Geld und den Schmuck abholen würde.

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Nach etwas über einer Stunde brach die Anruferin das Telefonat ab, ohne weitere Angaben zur Übergabe zu machen.

Die Polizei

Letztlich wurde der Anruferin die Sache aber zu heiß. Womöglich hatte sie bemerkt, dass der Pensionist etwas im Schilde führt. Nach über einer Stunde brach sie das Telefonat letztlich ab und meldete sich nicht mehr.

Nach „Unfall der Tochter“ Geld übergeben
Am Montag waren derartige Betrüger leider erfolgreicher: Ein herzzerreißendes Jammern und Weinen - eine Innsbruckerin (88) glaubte, ihre Tochter nach einem schweren Verkehrsunfall am Handy zu haben. Dann übernahm ein angeblicher Richter das Gespräch. Und brachte die erschrockene Pensionistin dazu, mehr als 50.000 Euro Kaution einem Abholer zu übergeben.

Symbolbild
Symbolbild(Bild: APA/dpa/Jan-Philipp Strobel)

Am selben Tag, gegen 15 Uhr, erreichte ein ähnlicher Anruf eine weitere Innsbruckerin (77). Diesmal war es ein vermeintlicher Rechtsanwalt, der Geld für die Tochter forderte. Das Opfer holte eine sechsstellige Summe aus dem Safe und übergab sie einem unbekannten Mann. Danach forderten die Betrüger, sie solle daheim noch mehr Geld holen, was mangels weiterer Reserven unmöglich war. Die skrupellosen Ganoven vereinbarten dann einen Treffpunkt beim Bezirksgericht, dort sollte die Tochter abzuholen sein. Freilich tauchte nie jemand auf.

Täter lösen Stress aus, brechen bei Rückfragen ab
Die Masche ist, mit schockierenden Anrufen Emotionen zu wecken. Rationales Überlegen fällt den Opfern in solchen Augenblicken schwer. Warum erkundigen sich die Betroffenen nicht bei der echten Tochter oder der Polizei, bevor sie Geld übergeben? „Zum Glück passiert das auch. Doch dann brechen die Täter den Betrugsversuch sofort ab, sie sind sehr vorsichtig“, weiß Hans-Peter Seewald vom LKA Tirol. Er spricht von mehr als 200 gemeldeten Fällen heuer allein in Tirol, etwa 20-mal sei ein konkreter Schaden entstanden.

Deutsch-polnischer Familienclan vermutet
Die Münchner Polizei präsentierte dieser Tage eine Präventionskampagne, dabei sagten die Ermittler: „Die Haupttäter gehören zu einem deutsch-polnischen Familienclan.“

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