Jugendkriminalität

„Was gedenken Sie zu tun, Frau Landesrätin?“

Tirol
11.12.2022 11:00

Die Jugendkriminalität wird kommende Woche in der Tiroler Landtagssitzung zum Thema. Die Freiheitlichen stellen mehrere Forderungen und wenden sich mit einer klaren Frage an die zuständige Landesrätin Astrid Mair (ÖVP).

Eskalation der Gewalt: Tirols Jugend wird brutaler“ – das titelte die „Tiroler Krone“ im April 2022. Mehrere Experten untermauerten diese These. „Ich kann nicht sagen, dass mehr Fälle auftreten. Was aber auffällt, ist die zunehmende Brutalität“, betonte Philipp Scheiring, Leiter des Jugendzentrums in Imst. Sein Kollege Helmut Schumacher, Leiter des mk-Jugendzentrums in Innsbruck, beobachtete hingegen sehr wohl, dass die Kriminalität unter Jugendlichen zugenommen habe. Von einer höheren Anzahl an Suspendierungen und körperlichen Übergriffen an Schulen sprach Petra Sansone, Geschäftsführerin der Tiroler Kinder und Jugend GmbH. Und Brigitte Thöny von der Tiroler Bildungsdirektion meinte, dass die Gewaltbereitschaft durch soziale Medien verstärkt werde.

Burschen wegen Vergewaltigung und Körperverletzung vor Gericht
Und in der Tat häufen sich in Tirol schwere Delikte durch Jugendliche. Im November machten sich junge Erwachsene vor der Polizeiinspektion Imst lautstark bemerkbar und wollten das Gebäude stürmen – weil die Beamten einen Kollegen (18) festgenommen hatten, der sich zuvor im Zuge einer Kontrolle ihnen gegenüber aggressiv verhalten hatte. Im April dieses Jahres fanden sich fünf Burschen im Alter von 14 bis 17 Jahre vor Gericht – unter anderem wegen Vergewaltigung und schwerer Körperverletzungen. Die Liste der Vorfälle ließe sich problemlos verlängern.

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Die Rahmenbedingungen und die Gefährdungslagen der Jugendlichen haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend geändert.

FP-Landesparteiobmann Markus Abwerzger

Eine Entwicklung, die den Landtagsabgeordneten der Tiroler FPÖ rund um Landesparteichef Markus Abwerzger Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Daher brachten sie vor wenigen Tagen einen Dringlichkeitsantrag ein. Sie fordern die Landesregierung auf, sich bei der Bundesregierung für effektive Maßnahmen gegen Jugendkriminalität einzusetzen. Konkret: „Insbesondere soll durch diverse Änderungen des Strafrechtes, des Sicherheitspolizeigesetzes sowie auch des Jugendstrafrechtes die Strafbarkeit auch für gemeinschaftliche Gewalt – also Bandentätigkeit – ohne Rücksicht auf das Lebensalter und Umfang der kriminellen Handlungen, vor allem jedoch bei Widerstand und Gewalt gegen staatliche Sicherheitsorgane ausgedehnt werden.“

„Es fehlt an Sensibilisierung und einem Wertekatalog“
Die Rahmenbedingungen und die Gefährdungslagen der Jugendlichen „haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend geändert“. Bei Teilen der Jugendlichen „fehlt es an Sensibilisierung und einem Wertekatalog“, die in einer gewaltfreien Gesellschaft unabdingbar seien, sind sich die freiheitlichen Politiker einig.

Fragestunde beschäftigt sich mit dieser Thematik
In der kommenden Woche findet von 14. bis 16. Dezember die nächste Tiroler Landtagssitzung statt. Gleich am ersten Sitzungstag wird die „Steigende Jugendgewalt im Lichte des Jugendschutzes in Tirol“ in der Fragestunde debattiert. „Bereits 2019 forderte die FPÖ-Fraktion, dass eine Studie zu Jugendbanden und Jugendkriminalität in Tirol erstellt wird. Diese Forderung wurde vom Tiroler Landtag zwar unterstützt, doch vom Innenministerium ist bis heute kein Bericht dazu eingelangt“, betont Abwerzger.

Er wird am Mittwoch die zuständige Landesrätin Astrid Mair (ÖVP) mit folgender Frage konfrontieren: „Was gedenken Sie zu tun bzw. zu unternehmen, damit in Bezug auf den Jugendschutz präventive Maßnahmen gesetzt werden, damit nicht immer mehr Minderjährige und Jugendliche strafrechtlich oder verwaltungsrechtlich relevante Taten begehen?“ Mit Spannung wird die Antwort der Landesrätin erwartet - immerhin war sie jahrelang als Polizistin tätig und mit zahlreichen derartigen Vorfällen konfrontiert

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