Sa, 18. August 2018

Großer Festakt

16.08.2011 17:25

Breiteste Ortstafel Österreichs in Kärnten montiert

Die Lösung der Kärntner Ortstafelfrage ist am Dienstag im Wappensaal des Klagenfurter Landhauses mit einer großen Zeremonie gefeiert worden. Danach schritten die anwesenden Politiker aber auch gleich zur Tat und montierten zwei zweisprachige Schilder selbst: Als Erstes war die "XXL-Ausgabe" in Bad Eisenkappel/Zelezna Kapla an der Reihe, die nun mit zwei Metern offiziell breiteste Ortstafel Österreichs ist (siehe auch Infobox).

Bundeskanzler Werner Faymann und sein slowenischer Amtskollege Borut Pahor sowie die Spitzen der Kärntner Landespolitik wurden in Bad Eisenkappel von Hunderten Besuchern erwartet. Bürgermeister Franz-Josef Smrtnik von der slowenischen Einheitsliste erklärte in seiner Begrüßung, der 16. August werde in seiner Gemeinde künftig ein Feiertag sein. "Es ist ein Tag, von dem ich nie erwartet hätte, ihn zu erleben", gab er seiner Freude Ausdruck, bevor er im Chor mit Brüdern und Cousin auch noch zur musikalischen Umrahmung der Feier beitrug.

Erneut versicherten sich alle Beteiligten ihrer gegenseitigen Wertschätzung und lobten die erzielte Einigung, beim abschließenden Tafel-Aufstellen drängten sich mehr als zwei Dutzend Fotografen und Kameraleute, um die Bilder von der breitesten Ortstafel Österreichs zu schießen. Vor der Tafel drängten sich fast ebenso viele Politiker.

"Das wird noch eine lange Feier geben"
Auch in Sittersdorf/Zitara vas waren Hunderte Menschen vor das Gemeindeamt gekommen, wo ein Festzelt aufgebaut war. Hier begrüßte "Hausherr" Bürgermeister Jakob Strauß die Ehrengäste, die praktisch geschlossen vom Vellachtal ins Jauntal gewechselt waren. Lediglich der slowenische Ministerpräsident Pahor war nicht mehr nach Sittersdorf gekommen.

Die Feierstimmung war ebenso ausgelassen wie in Bad Eisenkappel, wo der Bürgermeister schon zu Beginn angekündigt hatte: "Das wird heute noch eine lange Feier geben." Die restlichen Ortstafeln sollen, wie Landeshauptmann Gerhard Dörfler ankündigte, bis zum 30. September aufgestellt werden. Offizielle Feiern wird es dann allerdings keine mehr geben.

"Zeichen für eine gemeinsame Zukunft"
Bereits am Vormittag waren 300 Festgäste in die Landeshauptstadt gekommen, um bei dem Festakt dabei zu sein. Für die slowenische Volksgruppe trat Bernard Sadovnik, Obmann der Gemeinschaft der Kärntner SlowenInnen, ans Rednerpult. Er sprach, wie auch alle anderen Redner, allen Verhandlungspartnern ausführlich seinen Dank aus. Sadovnik sieht ein "Zeichen für eine gemeinsame Zukunft" der Volksgruppen in Kärnten.

Die Mehrsprachigkeit sei ein "Mehrwert für das Land". Mit dem Anbringen der neuen zweisprachigen Ortstafeln wachse Europa um ein Stück und werde "nachhaltig erlebbar". Die "überwältigende Mehrheit der Kärntner beider Landessprachen" würde die Konsenslösung "eindrucksvoll unterstützen". Sorge äußerte Sadovnik allerdings darüber, dass in Südkärntner Familien "leider immer weniger Slowenisch gesprochen wird".

Pahor: "Haben uns für gemeinsame Zukunft entschieden"
Sloweniens Premier Pahor unterstrich die Bedeutung der Beziehungen zwischen Slowenien und Österreich und Kärnten im Besonderen. Daher habe der erste Auslandsbesuch des Republikspräsidenten vor 21 Jahren auch nach Klagenfurt geführt. Man sei sich nach der Staatsgründung der historischen Belastungen bewusst gewesen, aber ebenso der Chancen für eine gemeinsame Zukunft. Pahor: "Wir haben uns damals für die Zukunft entschieden und für die Zukunft entscheiden wir uns auch heute."

Österreich und Slowenien seien gute Nachbarn, treue Freunde und Verbündete, so Pahor. Zur Ortstafellösung merkte er an, die Erfüllung des Artikel sieben des Staatsvertrags sei für Slowenien ein wichtiges Signal, er werde dadurch nicht obsolet, aber Österreich gehe in die richtige Richtung.

Faymann: "Österreichs Konfliktfähigkeit macht mich stolz"
"Die österreichische Tradition, bei Konflikten aufeinander zuzugehen, macht mich stolz", sagte Faymann. Die Karawankengrenze spiegle die Geschichte Europas wider - und hier gebe es jetzt ein Zeichen der Gemeinsamkeit und des friedlichen Zusammenlebens - statt Rechthaberei. Die Stärke der Europäischen Union und der Geist, mit dem man an Unterschiedlichkeiten herangehe, sei der Geist, der hier in Kärnten für die Lösung gelebt worden sei, so Faymann. Die Basis dafür sei, dass "alle Menschen gleich" sind. Er sei stolz auf die Vielfalt in Österreich, und Mehrsprachigkeit sei ein Zeichen für Vielfalt.

Umweltminister Nikolaus Berlakovich, er vertrat seinen Parteichef Michael Spindelegger, sprach von einem "Durchbruch für Österreich und Kärnten". Es gehöre politisch mehr Mut dazu, Menschen zueinander als gegeneinander in Stellung zu bringen. Die Lösung habe keinen Einfluss auf die Rechte anderer autochthoner Minderheiten in Österreich, meinte der Burgenland-Kroate, der es sich nicht nehmen ließ, auch kurz auf Kroatisch zur Lösung zu gratulieren.

Ostermayer: "Mission erfüllt"
Staatssekretär Josef Ostermayer hob in seiner Ansprache hervor, dass an einer Lösung ob der Erfahrungen der Vergangenheit "gezweifelt" worden sei. Nun sei die "Mission erfüllt" - es gebe "die beste Lösung, die je zustande kam". Die Rechtsstaatlichkeit habe gesiegt. "Es ist ein Moment, wo man Dank sagen darf." Dörfler habe "Handschlagqualität" bewiesen, alle Verhandlungspartner hätten sich um eine Lösung bemüht, auch die maßgeblichen Politiker Sloweniens, mit denen man in Kontakt gestanden sei, hätten das Ihre beigetragen.

"Wir haben den Durchbruch zum Aufbruch geschafft", betonte Dörfler. Eine Straße zur Zukunft mit gutem Unterbau sei geschaffen worden. Das Miteinander der Volksgruppen funktioniere seit Jahren besser, als außerhalb Kärntens oft angenommen werde. Dörfler hob erneut hervor, dass Ostermayer "Kärnten verstanden" habe. Er dankte auch "meinem Parteichef Uwe Scheuch", für das Mitgehen der FPK bei der Lösung, die er so umschrieb: "Keiner bekommt alles, alle bekommen vieles."

Landesorden in Gold für den Chefverhandler
Zwischen den Ansprachen wurde natürlich gesungen, und zwar sowohl in deutscher als auch in slowenischer Sprache. Zum Abschluss erhielt Ostermayer von Dörfler den Kärntner Landesorden in Gold.

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