Die anfängliche Solidarität mit der Ukraine bekommt zusehends Risse. Je mehr wir alle die Auswirkungen des Krieges zu spüren bekommen, desto mehr schwindet die Bereitschaft, dass auch wir unser Opfer für ein friedliches Europa geben. Und das spielt wiederum Wladimir Putin in die Hände.
Als vor 218 Tagen die Meldung um die Welt ging, dass russische Truppen die Ukraine angreifen, war die Bestürzung groß. Der für selbstverständlich gehaltene Frieden in Europa wurde von heute auf morgen durch Bilder von Tod, Zerstörung und Leid ersetzt. Es folgten Schock, Wut und eine immense Welle der Solidarität. Der Tenor, damals im Februar: We stand with Ukraine!
Das sind nicht mehr nur „Putin-Versteher“
Rund ein halbes Jahr später ist der Schock der Gewöhnung gewichen und die Wut gegen Putin wurde durch innenpolitische Schlagabtausche ersetzt. Und die Solidatität mit dem Kriegsopfer, der Ukraine? Die schwindet deutlich. Jene Stimmen, die laut sagen, dass sie gegen Waffenlieferungen und die Sanktionen sind, sind nicht mehr so einfach in die Schublade „Putin-Versteher“ zu verräumen. Sie werden nämlich immer lauter.
Die Solidarität wackelt
Rund ein Viertel der Österreicher will laut einer Umfrage ein Aus der Sanktionen, ganze 42% glauben nicht, dass die Maßnahmen gegen Russland Wirkung zeigen. Das ist zwar nicht die deutliche Mehrheit, aber ein nicht unerheblicher Teil der Österreicher. Schon alleine diese Zahlen zeigen: Die Solidarität wackelt. Und je länger dieser Krieg noch dauert, desto mehr macht sich die Kriegszermürbung auch bei uns breit.
Nicht zu verwechseln: Wahlkampfgetöse und inhaltliche Diskussion
Aber Vorsicht! Dass nicht nur die FPÖ gegen die Sanktionen poltert, sondern sich auch gewichtige Stimmen aus der Volkspartei zu den Kritikern dazu gesellen, hat freilich nicht nur inhaltliche Gründe. Wenn zum Beispiel Landesrat Anton Mattle auf den sanktionskritischen Gesang mit einstimmt, hat das sicherlich auch etwas mit den bevorstehenden Tirol-Wahlen zu tun. Das ist eher ein Verzweiflungsakt als der Versuch, uns weiterzubringen. Es besteht Verwechslungsgefahr!





Was Putin will ...
Das alles bedeutet nicht, dass wir von heute auf morgen die Sanktionen gegen Russland in Frage stellen sollen. Aber die Politik muss mehr hinhören und sich auch mit jenen Stimmen in unserer Bevölkerung auseinandersetzen, die das Vorgehen der Europäischen Union in Zweifel ziehen. Tut sie es nicht, wird der Frust in unserer Gesellschaft nur noch größer, die Gräben zwischen uns nur noch tiefer. Und genau das will Putin ja.









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