Andreas Babler verteilt gerne verbale „Zuckerln“ an seine Funktionäre: Schon zweimal vermochte er auf Parteitagen, mit flammenden Reden die Stimmung unter den Anwesenden in seine Richtung zu drehen. Wie ihm das gelingt – und wo die rhetorischen Grenzen des neuen, alten SPÖ-Parteichefs liegen, analysiert „Krone“-Chefredakteur Klaus Herrmann.
Viel Applaus, viel Zuspruch für Andreas Babler nach seiner Parteitagsrede in Wien. Nach einer Rede, bei der er kaum eine, kaum einen der mehr als 1000 Parteifunktionäre, die sich in der Halle D der Messe Wien versammelt hatten, ausgelassen hat. Ja, viele sprach er sogar namentlich an. Vor allem aber sprach er unentwegt „euch“ an.
„Euch“ dankte er in zig Varianten, mit „euch“ will er teilen, mit „euch“ will er kämpfen, „euch“, sagt er auch, „mog i einloden“. Denn mit „euch“ will er in eine „neue, bessere Zukunft“ schreiten.
Das, was Doskozil nicht kann
Ja, „euch“, also die Parteifunktionäre, die auf Parteitagen den SPÖ-Obmann wählen, vermag Andreas Babler gut anzusprechen. Er ist ein ganz besonderer Parteitags-Redner. Dieses Talent zeigte er beim Kampfparteitag von Linz im Juni 2023, wo er mit einer flammenden Rede den damaligen Parteichef-Favoriten Hans Peter Doskozil – wie sich freilich erst ein paar Tage nach der Wahl durch Nachzählung herausstellte – überraschend besiegte.
Nicht zuletzt, weil auch dort der damalige Traiskirchner Bürgermeister die Delegierten umgarnt, umarmt und so gut wie alle Gruppen angesprochen hatte. Etwas, worauf der burgenländische Landeshauptmann in seiner Bewerbungsrede weitgehend verzichtet hatte.
Als Babler wenige Monate später, im November 2023, ohne Konkurrent am Parteitag von Graz zur Wahl stand, da hatte er wieder für alle roten Gruppen und Grüppchen Botschaften, kleine oder auch größere Aufmerksamkeiten.
Babler und die Frauen
Besonders umgarnt Babler stets die in der Partei mächtigen Frauen. Er hat zwar seinerzeit kräftig und letztlich erfolgreich am Stuhl der ersten weiblichen SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner gesägt, weiß aber die Gunst der Frauen mit vielen Schmeicheleien zu gewinnen. Das passt am Vorabend des Weltfrauentages natürlich besonders gut.
Freilich hatte Babler an diesem Samstag auch für den Rest der Delegierten vieles im verbalen Themen- und Geschenksack und verteilte Zuckerln an „euch“, an „euch“ und natürlich auch an „euch“.
Die so aufmerksam bedachten, so direkt angesprochenen Funktionärinnen und Funktionäre bedankten sich recht artig und wählten Andreas Babler, nicht zuletzt auch mangels Alternativen, mit 81,5 Prozent wieder zum Parteichef. Damit dürfte er auch Spitzenkandidat bei der nächsten Nationalratswahl sein – wann immer diese stattfindet.
Man wird sehen, was er für „euch“ Wähler dann aus seinem Zaubersack verteilen wird. Ob sich die österreichischen Wähler auch so dankbar zeigen werden wie die sozialdemokratischen Parteifunktionäre? Dafür wird eine gelungene Parteitagsrede nicht reichen. Aber vielleicht hat Andreas Babler ja auch noch mehr im Köcher. Vielleicht gelingt es ihm ja auch einmal, nicht nur rote Funktionäre, sondern auch Wähler zu gewinnen.
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