ORF-Generaldirektor Roland Weißmann gab nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung seinen Rücktritt bekannt. Und was jetzt? Die Stiftungsratsvorsitzenden erklären das weitere Prozedere – am Donnerstag wird über Weißmanns Vertretung abgestimmt.
Dass Weißmann sich rechtliche Schritte vorbehält, verwundert im Stiftungsrat des ORF. Dessen Vorsitzender Heinz Lederer sagt: „Die Vorwürfe waren manifest und es gab Ton-, Bild- und Textpassagen dazu. Wir haben dem Generaldirektor vier Tage Zeit gegeben, um das aufzuklären. Das ist ihm nicht gelungen.“ Am Sonntag sei Weißmann nach Ablauf der Frist beurlaubt worden, am Montagmorgen habe man den Rest der Stiftungsratsmitglieder informiert. Das dementiert der Ex-General: Er habe die Dokumente nie zu Gesicht bekommen.
Und jetzt? Am Mittwoch tritt Lederer gemeinsam mit seinem Stellvertreter Gregor Schütze vor die Presse, am Donnerstag folgt eine ohnehin angesetzte Stiftungsratssitzung. Dort wird Ingrid Thurnher als interimistische Generaldirektorin vorgeschlagen werden – mit einer einfachen Mehrheit aus dem Rat ist ihre Bestellung dann fix. Bis dahin will Thurnher öffentlich nichts sagen, wohl bekannt ist aber, dass sie nicht zögerte, als man sie fragte, ob sie in der Notsituation von Weißmann übernehmen könne.
Ebenfalls in der Sitzung diskutiert wird der gesamte „Fall Weißmann“, Lederer schlägt vor, eine Taskforce einzurichten, um alles aufzuarbeiten.
Für die anstehende Wahl einer neuen Generaldirektion ab 2027 bedeute der Rückzug Weißmanns zunächst keine Veränderung im Fristenlauf. Nach wie vor geht Lederer davon aus, dass die Funktion mit Mai ausgeschrieben und am 11. August neu besetzt wird. „Ich bin sehr hoffnungsfroh, dass wir starke Persönlichkeiten im Wettbewerb und mit den neuen gesetzlichen Ausschreibungskriterien finden werden. Da kann das sogar ein Beschleuniger sein.“
Nicht zuletzt würden Bewerber nun umso mehr gefordert sein, mit ihrem Umgang mit dem Verhältnis von Männern und Frauen in der Unternehmenskultur zu überzeugen. Das Bewerberfeld werde nach dem Ausscheiden des bisher als Favorit gegoltenen Weißmann wohl größer werden.
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