Nachfrage ist gedämpft

Zerreißprobe für die Modehändler

Wirtschaft
27.08.2022 09:00

„Corona war dagegen ein Kindergeburtstag“, fasst es Handelsobmann Rainer Trefelik zusammen. Er meint damit die explodierenden Energiekosten und die Teuerung, die auch den Handel zunehmend belasten. Wegen der Inflation sinkt noch dazu die Frequenz in den Shops.

Zwar machen Ausgaben für Strom nur einen kleinen Teil aus, da die Branche aber generell nicht die höchsten Margen hat, schlägt sich das dennoch deutlich nieder. Die Bruttoüberschüsse sind bei vielen Händlern um mehr als 70 Prozent eingebrochen. „Im Vergleich ist der Modehandel eindeutig am stärksten von den Krisen betroffen", bestätigt Handelsverbands-Chef Rainer Will.

Bis Jahresende könnten die Umsatzverluste 120 Millionen Euro betragen. Auch Lieferkettenprobleme sind weiter ein Thema. Händler können Preise nicht so einfach weitergeben, die Konkurrenz der Webshops schmerzt.

Das erste Quartal war um rund 20 Prozent schwächer als vor der Krise. Im zweiten Quartal erholten sich viele Betriebe etwas, „ab Juli, gleichzeitig mit der Hitzewelle haben die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr aber nachgelassen“, sagt Jones-Chef Gabor Rose. „Wir hoffen aber, dass der Rückgang hitzebedingt und nicht inflationsbedingt war.“

Konsumlaune so schlecht wie seit der Finanzkrise nicht
Denn aktuell drücken die Geldsorgen der Österreicher auch ordentlich die Konsumlaune. Sie ist so schlecht wie seit der Finanzkrise nicht. Laut einer Teambank-Umfrage sagen 64 Prozent der Österreicher, dass sie am ehesten bei Mode sparen würden. „Es ist nicht zu leugnen, dass die Ausgaben noch immer unter dem Niveau von 2019 liegen“, bedauert auch Norbert Scheele von C&A.

Rainer Trefelik warnt jedoch: „Wir dürfen aber den Optimismus nicht verlieren. Sonst verschlechtert sich die Konsumlaune noch weiter.“ Ernst Mayr, von Fussl fügt hinzu: „Für den kommenden Herbst bin ich noch optimistisch. Wir merken auch, dass es wieder Anlässe wie Taufen oder Hochzeiten gibt, zu denen die Menschen schickere Kleidung kaufen.“ Fraglich sei aber, ob dieser Aufwärtstrend anhalte.

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Die Kaufkraft bricht gerade in Bereichen wie dem Modehandel weg. Die Händler sind fast gezwungen, Rabatte zu gewähren. Zugleich rollt eine Kostenlawine auf unsere Betriebe zu.

Handelsverband-Chef Rainer Will

Größere Sorgen als der Herbst bereite ohnehin Winter und das kommende Jahr. Die Inflationsanpassung der Mieten zum Jahreswechsel, noch höhere Energiekosten und teurere Mitarbeiter beschäftigen die Händler.

„Es fehlen auch noch die Touristen“, sagt Trefelik. Die Modeshops sind zudem oft entscheidend für die Einkaufsstraßen und Shoppingcenter, da sie Menschen anziehen und die Frequenz auch in anderen Geschäften beeinflussen. „Sollte im Winter wieder eine Maskenpflicht kommen, ist die Konsumlaune ganz im Keller“, fürchtet Trefelik, selbst Modehändler.

Bei den Kollektivverhandlungen erwartet er schwierige Gespräche. Der Handel ist weiterhin nicht die attraktivste Branche für Arbeitnehmer: Jones-Chef Gabor Rose: „Es ist in manchen Teilen Österreichs fast unmöglich, Mitarbeiter für den Verkauf zu finden."

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