Rücksicht wirkt

Warum Hunde im Wald an die Leine gehören

Tierecke
27.04.2026 11:40

März bis Juli ziehen viele heimische Wildtiere ihren Nachwuchs auf. Freilaufende Hunde können dabei zur ernsthaften Gefahr werden. Was die österreichische Rechtslage vorsieht, welche Alternativen es gibt und warum auch gut erzogene Hunde ein Risiko darstellen können.

An sonnigen Wochenenden im Wald zeigt sich, dass trotz Brut- und Setzzeit nicht alle Hunde angeleint sind. Die meisten Halter handeln verantwortungsvoll, doch Ausnahmen bleiben. Gerade jetzt ist besondere Vorsicht geboten!

Natürlicher Instinkt mit Folgen
Zwischen März und Juli bringen zahlreiche Wildtiere ihren Nachwuchs zur Welt. Hasen, Rehe, Füchse und viele Vogelarten. Bodenbrüter wie Kiebitz oder Brachvogel nisten am Boden, Rehkitze verharren reglos im hohen Gras, oft genau dort, wo Hunde stöbern.

Nimmt ein Hund die Witterung eines Wildtieres auf, setzt der Jagdinstinkt (rasseunabhängig) ein und entzieht sich oft dem Einfluss des Halters. Die Folgen sind gravierend. Bodenbrütende Vögel verlassen bei Störung ihr Gelege, Eier oder Küken überleben das meist nicht. Auch Rehkitze und Junghasen sind durch freilaufende Hunde akut gefährdet.

Unangeleint im Wald: für Wildtiere ein lebensgefährliches Problem.
Unangeleint im Wald: für Wildtiere ein lebensgefährliches Problem.(Bild: Tetiana Garkusha)

Rechtslage in Österreich
Eine bundesweit einheitliche Leinenpflicht im Wald gibt es nicht, die Regelungen sind Ländersache. In Naturschutzgebieten gilt in der Regel Leinenpflicht, teils auch ein Hundeverbot. Außerhalb solcher Zonen sind Halter verpflichtet, ihren Hund so zu führen, dass weder Menschen noch Tiere gefährdet oder belästigt werden.

Die Rechtsprechung konkretisiert diese Pflicht. Hunde dürfen auch im ländlichen Raum nicht unbeaufsichtigt frei laufen. Ein weiterer Aspekt ist jagdrechtlich relevant. In mehreren Bundesländern ist es Jägern unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, wildernde Hunde zu töten, etwa wenn sie sich der Einwirkung des Halters entzogen haben und Wild nachstellen.

Auslauf mit Spielraum
Eine Schleppleine bietet dem Hund Bewegungsfreiheit und ermöglicht zugleich Kontrolle. Wer seinem Tier Freilauf gönnen möchte, findet in vielen Gemeinden eigens ausgewiesene Hundefreilaufflächen – eingezäunte Bereiche abseits von Wildlebensräumen, die für Hund und Halter eine attraktive Alternative zu Wald und Wiese darstellen. So lässt sich das Risiko für Wildtiere deutlich reduzieren.

Mit der Schleppleine auf der sicheren Seite.
Mit der Schleppleine auf der sicheren Seite.(Bild: Judith Dzierzawa)

Im Ernstfall
Kommt es trotz aller Vorsicht zu einem Vorfall und wird ein Wildtier verletzt, sollte umgehend die zuständige Behörde oder die Polizei kontaktiert werden. So kann einem verletzten Tier noch geholfen werden.

Rücksicht wirkt
Der Wald ist Lebensraum und Erholungsgebiet zugleich. Gerade in den Frühlingsmonaten, wenn viele Tierarten besonders sensibel auf Störungen reagieren, trägt die Leine am Hund wesentlich dazu bei, Konflikte zu vermeiden und Tierleid zu verhindern. Eine einfache Maßnahme mit großer Wirkung.

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