08.07.2022 10:08 |

Kritik an Putin

Festspiele Erl im Schatten des „irren Verbrechers“

Die Tiroler Festspiele Erl sind am Donnerstagabend von Bundespräsident Alexander Van der Bellen feierlich eröffnet worden. Zuvor gab es nach der Eröffnungsrede von Hans Peter Haselsteiner, in der er Wladimir Putin als Aggressor und „irren Verbrecher“ bezeichnete, Pauken und Trompeten für die Mitwirkenden der Tiroler Festspiele Erl. In Sachen Musik war dazu eine große Bandbreite von melancholisch-getragen bis folkloristisch-zupackend zu hören.

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Entsprechend den höchst unterschiedlichen Werken von Ernest Chausson oder von Erich Wolfgang Korngold war auch bei der Rede von Haselsteiner längst nicht alles nur pessimistisch und düster. Bevor er leicht stimmungsaufhellende Töne anstimmte, sprach er aber von der Gegenwart als eine Zeit von „Krieg, Pandemie und einer Natur, die Schaden genommen hat“. Man müsse aber schließlich doch die „tiefen Gräben überbrücken“, wozu wiederum „Kunst und Kultur erste und belastbare Bausteine liefert“.

Auch die europäische Union trägt laut Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) dazu bei. „Wir dürfen außerdem den Traum eines gemeinsamen Europas nie verlieren“, strich das scheidende Tiroler Landesoberhaupt heraus. Es brauche, neben politischen Bemühungen, auch ein „künstlerisches Bekenntnis für ein gemeinsames Miteinander“, ergänzte Platter.

Alexander Van der Bellen, der die Festspiele schließlich als offiziell eröffnet erklärte, nahm wiederum abermals Bezug auf den russischen Angriffskrieg. „Leider macht dieser aus der Sicht von Putin sehr viel Sinn“, gab er zu bedenken. Dieser habe nämlich vor, das „russische Imperium der Zeit vor 1917 wieder zu errichten“, so der Bundespräsident. Weil der Krieg aufgrund dieser Weltanschauung von Putin „kein Ende in absehbarer Zeit nimmt“, brauche es die „Wehrfähigkeit der EU“, sagte Van der Bellen.

Trotz der gegenwärtigen Kumulation von Krisen, dürfe man aber durchaus feiern und Kunst und Kultur in vollen Zügen genießen, meinten die Eröffnungsredner unisono. „Damit steuern wir gemeinsam den Entwicklungen auf der Welt entgegen“, meinte etwa Platter und benannte damit Kunst-Genießer als produktiven Gegenpart zu autoritären Denkweisen. Van der Bellen wiederum war der Meinung, dass die „musikalische Kontinuität von Erl“ gerade in diesen „interessanten Zeiten“ absolut notwendig sei.

Ebenjene musikalische Kontinuität, die vor allem in der Bandbreite und musikalischen Qualität des Eröffnungskonzerts zu finden war, zeigte sich bereits in „Viviane“ von Ernest Chausson. Das Werk, das mit getragen-dunkeln Tönen der Eröffnungsrede von Haselsteiner folgte, erblühte unter der ausdifferenzierten Musikalität des Festspielorchesters. Mit der folkloristisch eingefärbten Musik der „Tänze aus Galánta“ von Zoltán Kodály begeisterte das Orchester außerdem mit unbändiger Spielfreude, ehe es mit Erich Wolfgang Korngold und seinem „Konzert für Violine und Orchester“ pathetisch und filmmusikalisch angehaucht wurde. Der „Psalmus Hungaricus“, wiederum von Kodály, beschloss das Konzert mit eindrucksvollen Chor- und Tenor-Passagen.

 Tiroler Krone
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