Reporter decken auf
Murdoch junior soll von Abhörpraktiken gewusst haben
James Murdoch hatte beim Ausschuss ausgesagt, keine Kenntnis von einer E-Mail gehabt zu haben, aus der hervorging, dass die Abhörpraktiken beim Boulevard-Blatt "News of the World" nicht auf einen einzigen Reporter beschränkt, sondern viel weiter verbreitet waren. Colin Myler, ein ehemaliger Redakteur der Zeitung, und der frühere Leiter der Rechtsabteilung des Murdoch-Verlags News International, Tom Crone, erklärten jedoch am Donnerstagabend, sie hätten Murdoch über die E-Mail informiert.
Murdoch junior reagierte unverzüglich auf die Anschuldigung und erklärte, dass er seine Aussage vor dem Parlamentsausschuss aufrecht erhalte. Anschließend kündigte der Ausschussvorsitzende John Whittingdale an, der Sache auf den Grund zu gehen und Murdoch zu den widersprüchlichen Aussagen zu befragen. Bei der Anhörung im Parlament hatten die beiden Murdochs die Verantwortung für die Abhöraffäre von sich gewiesen und die Schuld anderen gegeben.
Druck auf Premier Cameron wächst
Unterdessen gerät auch Premierminister David Cameron immer mehr in Bedrängnis. Noch am Mittwoch versuchte er im Rahmen einer Ausschusssitzung, sein angeschlagenes Image aufzupolieren. Er räumte ein, dass die Ernennung des ehemaligen "News of the World"-Chefredakteurs Andy Coulson zum Regierungssprecher rückblickend ein Fehler gewesen sei. Zugleich betonte er, dass er bis zu Coulsons Rücktritt keine glaubwürdigen Hinweise erhalten habe, die dessen Verwicklung in den Abhörskandal belegt hätten. Doch wie am Freitag bekannt wurde, wäre es auch schwer möglich gewesen, etwas über Coulson zu erfahren, denn ein genauer Sicherheitscheck des Journalisten dürfte nicht für notwendig erachtet worden sein, wie die Tageszeitung "The Guardian" berichtete.
"Ich finde es atemberaubend, dass der Kommunikationsdirektor nicht auf höchste Sicherheitsebene eingestuft wird, denn in diesem Job muss man alle Informationen sehen, die auf dem Tisch des Premierministers landen", sagte der Vize-Regierungssprecher unter Ex-Premier Tony Blair, Lance Price, der Zeitung. Auch Blairs früherer Pressechef Alastair Campbell bezeichnete es als "ziemlich eigenartig", dass Coulson nicht auf Herz und Nieren überprüft worden sei.
Coulson wurde nie einem strengen Verhör unterzogen
Wegen der mangelhaften Sicherheitsüberprüfung hatte der frühere Chefredakteur - zumindest offiziell - auch keinen vollen Zugang zu streng geheimen Dokumenten. Für die höchste Sicherheitsstufe hätte Coulson ein dreistündiges Verhör über sich ergehen lassen müssen, berichtete ein britischer Spitzenbeamter. "Es handelt sich um ein intensives Verhör, sehr detailliert und unglaublich persönlich: So geht man eine lange Liste an Sexualpraktiken durch und muss sagen, welche man schon ausprobiert habe. Sagt man Ja, muss man volle Auskunft darüber geben wann, mit wem und so weiter."
Treten Auffälligkeiten auf, würden diese bis zu einer Stunde detailliert erörtert. Außerdem würden die Sicherheitsbeamten auch enge Freunde des zu Überprüfenden befragen, um Ungereimtheiten aufzudecken, berichtete der Gewährsmann. "Und man kann seine Freunde unmöglich auf diese Befragungen vorbereiten, weil man sich nicht an alles erinnern kann, was man sagte. Die einzige Option ist, dem Interviewer die ganze Wahrheit zu erzählen und dass die Freunde dies auch tun."
Skandale ließen Coulson seinen Hut nehmen
Coulson war im Jahr 2007 als Chefredakteur von "News of the World" zurückgetreten, als die Affäre um illegale Abhörpraktiken bei der Zeitung zum ersten Mal hochkochte. Der damalige Oppositionsführer Cameron machte ihn zu seinem Pressechef. Nach dem Machtwechsel im Mai 2010 ernannte der neue Premier Coulson trotz massiver Kritik zum Regierungssprecher. Nach weiteren Enthüllungen im Abhörskandal quittierte Coulson im Jänner 2011 seinen Dienst.
Reporter der mittlerweile eingestellten Zeitung sollen Mobilboxen von Tausenden Politikern, Prominenten, aber auch von Opfern von Gewaltverbrechen abgehört haben. Das Fass zum Überlaufen brachte heuer der Fall der entführten und ermordeten Milly Dowler, in deren Handy-Sprachbox sich Reporter gehackt hatten und anschließend sogar Sprachnachrichten löschten. Damit weckten sie bei den Eltern die Hoffnung, dass Milly noch am Leben sei.
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