Sexuelle Nötigung?

Ranghoher Polizist vor Gericht: Prozess erneut vertagt

Tirol
21.07.2011 12:54
Der Ende Mai vertagte Prozess wegen gegen einen ranghohen Mitarbeiter der Tiroler Sicherheitsdirektion ist am Donnerstagvormittag am Landesgericht Feldkirch fortgesetzt worden – allerdings wurde er bereits nach wenigen Stunden erneut vertagt. Eine wichtige Zeugin war verhindert. Der Beamte muss sich wegen sexueller Nötigung und Missbrauchs der Amtsgewalt verantworten.

Am ersten Verhandlungstag hatte der SID-Beamte vor dem Schöffensenat den Vorwurf der Anklage vehement in Abrede gestellt, eine Interessentin für den Polizeidienst in seinem Büro sexuell bedrängt zu haben. Er sieht die Anzeige gegen sich als Racheaktion. Die Frau habe irrtümlich bis zuletzt gedacht, dass er ihr bei der Aufnahme zur Polizei behilflich sein könne, was aber nicht der Fall sei. Es sei auf Initiative der Frau zu drei Küssen, aber zu keinerlei sexueller Berührung gekommen, hatte der Angeklagte am ersten Prozesstag betont. Dass der engagierte Katholik und mehrfache Familienvater allerdings mit anderen Frauen Sex auf der Ledercouch seines Büros hatte, ist durch Spermaspuren belegt.

"Sie haben nicht auf die Uhr geschaut"
Der zweite Verhandlungstag am Donnerstag begann mit der Einvernahme von drei weiteren Zeugen, darunter auch die Sekretärin des Angeklagten. Sie sagte aus, dass die Türe zum Büro des SID-Beamten grundsätzlich nicht versperrt gewesen sei. Es habe die Anweisung gegeben, bei Besuch nicht zu stören und auch keine Telefonate durchzustellen - diese Anweisung war in der Sicherheitsdirektion allerdings nicht unüblich. Auf die Frage, ob Damenbesuche lange gedauert hätten, wusste sie keine Antwort, die an ihrer Stelle der Vorsitzende Peter Mück gab: "Sie haben nicht auf die Uhr geschaut."

Die Frage nach der Sperre der Türen ist insofern von Bedeutung, als das mutmaßliche Opfer ausgesagt hatte, dass der Spitzenpolizist die zwei Türen seines Büros versperrt habe, ehe es zu dem angeblichen Übergriff gekommen sei. Ein kriminaltechnisches Gutachten hat laut Verteidiger Albert Heiss allerdings ergeben, dass eine der beiden Türen schon seit Jahren nicht mehr abgeschlossen wurde. Die Zeugin konnte sich am Donnerstag nicht erinnern, jemals einen Schlüssel zur Bürotüre ihres Chefs gesehen zu haben.

Kurz nach 9 Uhr stand dann die Vorführung des dreistündigen Videos der Einvernahme des mutmaßlichen Opfers an. Auf Antrag von Andrea Haniger-Limburg, der Anwältin der Frau, wurde dazu die Öffentlichkeit vom Prozess ausgeschlossen.

Gericht will weitere Zeugen hören
Danach wurde die Verhandlung vertagt. Das Gericht sah es als unerlässlich an, dass zur Urteilsfindung weitere Zeugen gehört werden, darunter auch die ehemalige Vorgesetzte des mutmaßlichen Opfers. Sie hätte bereits am Donnerstag aussagen sollen, ist aus gesundheitlichen Gründen dazu derzeit aber nicht in der Lage.

Zum Anklagepunkt des Amtsmissbrauchs hat der Spitzenpolizist bereits zugegeben, in vier Fällen Protokolle von Testberichten von Sicherheitskontrollen am Innsbrucker Flughafen ohne Wissen der Autoren abgeändert und ans Innenministerium nach Wien geschickt zu haben. Zum einen sprach er von einem Irrtum und von "sozialen Erwägungen", zum anderen falle die Abänderung der Berichte aber auch in seine ureigenste Kompetenz, hatte sich der Tiroler Ende Mai gerechtfertigt.

Die Verhandlung soll im September fortgesetzt werden. Im Falle eines Schuldspruchs drohen dem Spitzenpolizisten bis zu fünf Jahre Haft.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Tirol
21.07.2011 12:54
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Tirol
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung