20.07.2011 11:45 |

Bregenzer Festspiele

Festspiel-Präsident Rhomberg kündigt seinen Abgang an

Der Präsident der Bregenzer Festspiele, Günter Rhomberg, wird sich nach dem Ende der aktuellen Funktionsperiode im Frühjahr 2012 offenbar wie erwartet aus seinem Amt zurückziehen. Rhomberg kündigte diesen Schritt nun auch selbst an, indem er am Mittwoch bei der Eröffnung der 66. Bregenzer Festspiele von seiner "31. und definitiv letzten Eröffnungsrede" sprach. Als Favorit für seine Nachfolge gilt Vizepräsident Hans-Peter Metzler.

Einen offiziellen Kommentar zum Ende seiner Amtszeit hatte Rhomberg in den vergangenen - zum Teil turbulenten - Wochen und Monaten stets abgelehnt. Nun soll nach der aktuellen Funktionsperiode im Frühjahr 2012 eine Ära der Festspiele zu Ende gehen. Dem Alter des Festspielpräsidenten ist gemäß Statut das Limit von 75 Jahren gesetzt - Rhomberg wird im nächsten Jahr 74.

Metzler als Nachfolger wahrscheinlich
Als aussichtsreichster Nachfolgekandidat für Rhomberg gilt schon seit längerer Zeit Hans-Peter Metzler, der Vereinsvorsitzender der Festspielfreunde und seit 2006 auch Vizepräsident ist. Der Gründer der Chip-Firma New Logic bekundete erst am vergangenen Wochenende sein Interesse am Präsidentenamt.

Nach der derzeitigen Regelung wird der Nachfolger von Rhomberg vom achtköpfigen Stiftungsbeirat der Bregenzer Festspiele Privatstiftung bestimmt. Jeder der Stifter - der Verein der Freunde der Bregenzer Festspiele, die Republik Österreich, das Land Vorarlberg und die Stadt Bregenz - besetzt zwei Positionen im Beirat. Dieses Gremium muss sich auf die Zusammensetzung des Stiftungsvorstands verständigen, der aus drei Personen besteht. Der Stiftungsvorstand selbst legt sich anschließend auf einen Vorsitzenden fest - den Festspielpräsidenten.

Jugendliches Programm als Ziel Rhombergs
Rhomberg steht dem renommierten Kulturfestival am Bodensee bereits seit 1981 vor, als die Festspiele in für sie unsicheren Zeiten in eine "zweite Pionierphase" aufbrachen. Als er damals das Präsidentenamt von Albert Fuchs übernahm, trat er damit auch in die Fußstapfen seines Vaters Walter Rhomberg, der den Bregenzer Festspielen von 1963 bis 1968 vorgestanden war. Er wolle ein Programm bieten, das den Interessen der Jugend "eher als bisher entspricht", kündigte er damals an. Auf keinen Fall wollte man mit Salzburg und Bayreuth in Konkurrenz treten und einen vertretbaren Ausgleich zwischen Programmgestaltung und finanziellen Möglichkeiten finden.

Nach einem kritischen Rechnungshofbericht wurde 1982 der Vertrag mit Intendant Ernst Bär einvernehmlich aufgelöst und mit Franz Salzmann die Position des kaufmännischen Direktors eingeführt, der dem Intendanten gleichgestellt ist. Im Jahr darauf begann mit dem Engagement von Alfred Wopmann als künstlerischem Leiter eine neue Zeitrechnung der Bregenzer Festspiele.

Große Publikuserfolge Mitte der 80er-Jahre
Der zuvor als Regisseur an der Wiener Staatsoper tätige gebürtige Welser verfolgte von Anfang an eine Öffnung des Programms und prägte die "Bregenzer Dramaturgie", die bekannte Mischung aus publikumswirksamen Opern auf der Seebühne und Raritäten im Haus. Mit den großen Publikumserfolgen ab Mitte der 1980er-Jahre ergab sich für die Bregenzer Festspiele auch eine neue gesunde finanzielle Basis. "Die prägenden Jahre zwischen 1985 und 2003 brachten den Durchbruch zu wirklich internationalem Renommee", sagte Rhomberg in seiner letzten Eröffnungsrede am Mittwoch.

In die Amtszeit des gelernten Bauingenieurs Rhomberg fällt außerdem die wesentliche Vergrößerung des Festspielhauses: Aus dem zunächst bescheiden als "Probebühne" propagierten Zubau erwuchs die heute unverzichtbare "Werkstattbühne". Auch die Zuschauerkapazität auf der Seebühne wurde in den 90er-Jahren auf knapp 7.000 Plätze erweitert, die Generalsanierung des Hauses (2005/06) belief sich auf 38,5 Millionen Euro.

Organisatorisch gab es 1989 den Wandel vom Verein "Festspielgemeinde Bregenz" hin zur "Bregenzer Festspiele GmbH", da Rhomberg sich nicht mehr in der Lage sah, ehrenamtlich die Haftung für einen Betrieb mit einem Budget von mehr als hundert Millionen Schilling zu übernehmen. 2002 wurde die Bregenzer Festspiele GmbH in die Bregenzer Festspiele Privatstiftung umgewandelt.

Abgang des Intendanten sorgte für Wirbel
Speziell die vergangenen Wochen und Monate verliefen für Rhomberg aber turbulent. Die Entscheidung über die Intendanz der Bregenzer Festspiele ab 2013 brachte viel Verwirrung und Misstöne mit sich. Dass der verdiente David Pountney gehen muss, wurde von vielen Festspiel-Beobachtern zunächst wenig goutiert, das damit verbundene Hin und Her - Pountneys Vertrag sollte dann doch noch für ein Jahr verlängert werden - noch weniger. Mit der Präsentation von Roland Geyer als Nachfolger von Pountney glätteten sich die Wogen jedoch schnell. Geyer war Rhombergs Wunschkandidat, der "eine dritte Pionierphase der Festspiele" begründen soll.

Rhomberg auch in der Wirtschaft erfolgreich
Günter Rhomberg wurde am 10. Juni 1938 in Bregenz geboren. Da sein Vater Walter im Baugewerbe tätig war, wurde auch er zunächst Bauingenieur. Einen Namen in der Geschäftswelt machte er sich aber als Geschäftsführer im Unternehmen seiner Gattin Elke, Josef Hubers Erben, der Gründungsfirma der heutigen Huber Holding AG, für die er ab 1993 mehrere Jahre Vorstandsvorsitzender war. Öffentlich engagierte sich Rhomberg unter anderem als Vorsitzender der Sektion Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg sowie als langjähriger Präsident der Österreichischen Textilindustrie.

Viele Auszeichnungen für Verdienste
Rhomberg arbeitet seit 1974 offiziell bei den Bregenzer Festspielen mit, der Respekt vor seinem Schaffen im Kulturbereich spiegelt sich auch in seiner Berufung zum Stiftungsvorstand des Theaters in der Josefstadt im Jahr 2005 wider. Seine Verdienste brachten ihm öffentlichen Auszeichnungen wie das Goldene Ehrenzeichen des Landes Vorarlberg (1995) oder das Österreichische Ehrenkreuz für Kunst und Wissenschaft 1. Klasse (2002) ein.

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