"Schmirgelpapier"

Prager Senatoren beschweren sich über Billig-Klopapier

Ausland
20.07.2011 10:49
Debatten über Bundeshymnen mögen hierzulande vielen wie Sommerloch-Füller erscheinen. Für die Anliegen tschechischer Parlamentarier müsste dann eine neue Kategorie erfunden werden: Abgeordnete beschweren sich, dass es in den Toiletten im Senat seit einiger Zeit Klopapier minderer Qualität gibt, was eine Folge der Sparmaßnahmen sei. Es wird nicht ausgeschlossen, dass die Causa sogar im Parlament debattiert wird.

Die zweite Parlamentskammer in Prag muss heuer mit einem Budget auskommen, das um 40 Millionen Kronen (umgerechnet 1,63 Millionen Euro) geringer ist als zuvor. Die Sparmaßnahmen treffen offenbar auch die Sanitärausstattung des Hohen Hauses.

Causa könnte auf Tagesordnung kommen
"Das jetzt ist Schmirgelpapier", beschwerte sich Senator Jaroslav Kubera von der konservativen Demokratischen Bürgerpartei gegenüber tschechischen Zeitungen. Man spare "nicht an der richtigen Stelle", meinte er. Einer von seinen Kollegen fügte als Scherz hinzu, seitdem die Qualität des Klopapiers im Senat gesunken sei, nehme er es nicht mehr nach Hause mit.

Kubera schloss nicht aus, das Thema des Klopapiers auch in einer Plenarsitzung des Senats einzubringen. Er könnte es beispielsweise in einem Moment machen, wenn die Senatoren gerade stundenlang über "irgendeinen Unsinn wie manche Petitionen" diskutierten.

Parlament debattierte eigene Hinrichtungen
Tschechiens Parlamentarierer sind für lautstarke und auch schwarzhumorige Sitzungen berüchtigt. Vor allem, wenn es um parlamentarische Sparßmaßnahmen geht, werden wütende Abgeordnete geradezu kreativ. Als im Herbst 2009 über eine Senkung der Politikergehälter debattiert wurde, schlug der sozialdemokratische Abgeordnete Vitezslav Jandak vor, jeden Monat einen Abgeordneten hinzurichten, um auch so bei den Staatsausgaben zu sparen. Der konservative Abgeordnete Pavel Pleva forderte daraufhin, den Vorschlag offiziell in die Liste der Änderungsvorschläge für das Sparpaket aufzunehmen. Eine Antragseinbringung scheiterte jedoch daran, dass sich die Mandatare nicht einigen konnten, bei wem begonnen werden sollte.

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