14.06.2022 10:00 |

„Krone“-Reisereportage

Salzburg: Lebenslust im Kulturerbe

Seit 25 Jahren ist Salzburgs Altstadt UNESCO-Weltkulturerbe und dadurch streng geschützt. Dennoch gibt es auch jede Menge Raum für moderne Kunst und ein quicklebendiges Stadtleben! 

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Einzigartig - es gibt keinen besseren Ausdruck für den Blick über die Altstadt von der Festung Hohensalzburg. Etwa 1000 historische Objekte auf 237 Hektar Kernzone umfasst das von der gestrengen UNESCO-Kommission 1997 erfasste Welterbe. Das Prädikat gebührt als herausragendes Beispiel für einen kirchlichen Stadtstaat, in dem sich italienische und deutsche Kultur trafen. Die intakte Barockstadt, zu Recht auch „Rom des Nordens“ genannt, ist geprägt durch zahlreiche Kirchturmspitzen und Kuppeln.

Monumentale Gebäude wie Dom, Residenz, Franziskanerkloster und Abtei St. Peter sowie große Plätze sind ein reizvoller Kontrast zu engen Gassen voll wunderbar erhaltener und restaurierter Bürgerhäuser, oft seit Jahrhunderten von denselben Familien bewohnt. Flanieren über belebte Marktplätze, die vielen eleganten Geschäfte, die traditionellen Kaffee- und Gasthäuser sind bei einem Besuch genauso wichtig wie Kirchenbesichtigungen, eine Fahrt mit der Stadtseilbahn auf die größte erhaltene Burg Mitteleuropas und der Besuch von Mozarts Geburtshaus.

Der Zauber dieses Ortes ist in den kleinen Wohnräumen der Familie im 3. Stock bis heute spürbar, obwohl keine Möbel erhalten sind. Sogar der Supermarkt im Erdgeschoß ist fast „original“ - bis vor kurzem befand sich dort die Spezerei Hagenauer, ein Delikatessengeschäft, das schon den kleinen Wolfgang Amadeus mit seiner geliebten Mandelmilch versorgte und dessen Besitzer dem Wunderkind Konzerttourneen durch ganz Europa ermöglichte.

Was Salzburg, abgesehen von der einzigartigen Kulisse, heute wirklich faszinierend macht, sind seine Bewohner: Sie erfüllen die Geschichte mit Leben, ihre Begeisterung ist ansteckend. Die Anekdoten der Stadtführer machen alte Gebäude - ja sogar die Grabsteine auf historischen Friedhöfen - richtig spannend und beweisen, dass Kunst und Kultur gar nicht langweilig sein müssen.

Bei Konzerten im historischen Schloss Mirabell erklingen die Melodien von Mozart und Vivaldi ganz besonders belebt; im Stiftskulinarium St. Peter, schon im Jahr 803 von einem Ratgeber Kaiser Karls des Großen erwähnt und damit wahrscheinlich das älteste Restaurant der Welt, ertönt coole Lounge-Musik unter Gemälden junger Künstler im Arkadenhof. 13 Werke moderner Künstler wie Anselm Kiefer, Markus Lüpertz, Brigitte Kowanz und Erwin Wurm sind mehr oder weniger auffällig auf historischen Plätzen der Altstadt verteilt, das Museum der Moderne auf dem Mönchsberg bietet laufend neue Ausstellungen österreichischer und internationaler Künstler - und dazu noch eine Aussichtsterrasse mit herrlichem Blick über die gesamte Stadtkulisse.

Im Panorama-Museum zeigt das einzigartige Rundgemälde von Johann Michael Sattler aus dem Jahr 1829, 25 Meter lang und 4,86 m hoch, wie schön Salzburg schon damals war - die Ausstellung „Salzburg einzigartig“ gleich nebenan erklärt das Wesen der Stadt auf moderne Weise. Dabei darf natürlich Thomas Bernhard nicht fehlen. Seine bösen Zitate „Die Salzburger waren immer fürchterlich wie ihr Klima“ und „Hier wird alles einverleibt, ob Trakls Gedicht oder die Mozartkugel“ sind prominent platziert. Der große „Hassliebende“ ist damit selbst einverleibt ...

Brigitte Egger, Kronen Zeitung

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