Zweites Hilfspaket?
Moody’s stuft Irland auf Ramschstatus herab
Moody's sieht nach eigenen Angaben auch Probleme in den Bemühungen, künftig private Gläubiger an Rettungspaketen zu beteiligen. Dadurch könnten die Refinanzierungskosten vor allem für schwächere Mitglieder der Euro-Zone steigen. "Dies ist ein Schlüsselfaktor in der fortlaufenden Beurteilung der Staatsanleihen der schuldengeplagten Euro-Zone durch Moody's", hieß es.
Die Ratingagentur Moody's behielt zudem den Ausblick für die Kreditwürdigkeit bei "negativ" und signalisierte damit, weitere Herabstufungen in den nächsten zwölf bis 18 Monaten nicht auszuschließen. Bisher hatten in der Euro-Zone lediglich Griechenland und Portugal von Rating-Agenturen den "Ramsch"-Stempel aufgedrückt bekommen.
Unverständnis über Herabstufung
Bei Europäischer Kommission und irischem Finanzministerium sorgte die Entscheidung für Unverständnis. Sie stünde nicht im Einklang mit den Einschätzungen der anderen großen Agenturen, betonte das Finanzministerium. S&P sowie Fitch bewerten Irland drei Stufen über Ramschstatus. Das Finanzministerium erklärte zudem, Irland tue alles, um die Schuldenprobleme in den Griff zu bekommen. Dabei habe man bereits Fortschritte gemacht. Noch heuer werde die Wirtschaft wieder wachsen. Auch die EU-Kommission bedauerte das Vorgehen von Moody's und versicherte, Irland sei auf dem richtigen Weg, um aus der Schuldenkrise herauszufinden.
Irlands Abwicklungsbank, die National Treasury Management Agency oder kurz NTMA, die im Auftrag der irischen Regierung Vermögenswerte verwaltet, betonte in einer Reaktion auf den Moody's-Schritt, bis Ende 2013 sei das Land ausreichend finanziert. Sie verwies zudem darauf, dass auch Lob von Moody's gekommen sei. So habe die Agentur darauf hingewiesen, dass Irland sich stark für die Budgetkonsolidierung einsetze und die von der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds als Bedingung für Finanzhilfe geforderten Ziele einhalte.
Laut NTMA kommen Irland dabei auch die Entscheidungen vom Euro-Gruppen-Treffen am Montagabend in Brüssel zugute. Demnach soll der Euro-Rettungsfonds EFSF künftig flexibler zur Stützung eingesetzt werden. Nach Worten von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker schließt das theoretisch auch einen Schuldenrückkauf mithilfe des EFSF ein.
US-Börsen reagieren negativ auf HerabstufungDie New Yorker Aktienbörsen schlossen nach der Irland-Abstufung mit tieferen Kursen. Der Dow Jones Industrial Index sank den dritten Tag in Folge, und zwar um 58,90 Punkte oder 0,47 Prozent auf 12.446,88 Einheiten. Der S&P-500 Index verlor 5,85 Punkte (minus 0,44 Prozent) auf 1.313,64 Zähler. Der Nasdaq Composite Index ermäßigte sich um 20,71 Einheiten oder 0,74 Prozent auf 2.781,91 Zähler.
Analyst Robert Tipp von Prudential sagte: "Die Herabstufung hilft definitiv nicht. Sie wird dazu führen, dass einige Investoren, die keine Sicherheiten auf Ramschniveau halten dürfen, verkaufen müssen." Chris Rupkey von der Bank of Tokio meinte dagegen, es habe zuletzt viele Herabstufungen gegeben, diese werde das Fass nicht zum Überlaufen bringen.
Erstes Land unter den Rettungsschirm
Die Probleme der heimischen Banken hatten Irland im vergangenen Jahr als erstes Land unter den Euro-Rettungsschirm EFSF gezwungen, der nach der Griechenland-Krise von EU und IWF aufgespannt wurde. 85 Milliarden Euro Hilfsgelder stehen bereit. Im Gegenzug muss der Inselstaat deutliche Einsparungen vornehmen.
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