Müller nahm dem „Macbeth“ in seiner Bearbeitung von 1972 alle Hoffnung. Es ist nur folgerichtig, dass ausgerechnet diese Variation am Samstag in den Kammerspielen des Linzer Landestheaters Premiere feierte. Schließlich birgt auch der Blick auf das tatsächliche Weltgeschehen keine Lichtblicke, und so fühlt man sich von den Parallelen fast erdrückt, die das Stück liefert.
Spartenchef Stephan Suschke inszeniert den Text seines früheren Weggefährten Müller auf dystopisch anmutender Bühne von Momme Röhrbein: Einziger Anhaltspunkt bleibt ein riesiger Thron aus Leichen und Lumpen, der im Laufe der Geschehnisse bekanntlich wechselnde Besitzer hat.
Grandios besetzt ist Alexander Hetterle als zunehmend außer Kontrolle geratener Macbeth, an seiner Seite überzeugt Theresa Palfi als dem Wahn verfallende Lady Macbeth. Das blutrünstige Paar geht über zahlreiche Leichen, um sich die Herrschaft zu sichern. Und so entfaltet sich das Gemetzel, das nur von recht kläglichen Versuchen, Slapstick einzubauen, unterbrochen wird. Alle weiteren Darsteller müssen mehrere Rollen stemmen, heraus stechen etwa Alexander Julian Meile u. a. als Gegenspieler Banquo oder der junge Nils Thomas aus dem Schauspielstudio, der u. a. Macduff und Fleance mimt. Stark gespielt, solide inszeniert, doch in diesen Zeiten nur etwas für Hartgesottene.
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