Schwarzes Gold
Emirat präsentiert Kaviar, der aus der Wüste kommt
Das Emirat, das der Welt bereits den ersten Goldbarren-Bankomaten bescherte und einen Weihnachtsbaum beherbergt, der sich dank seines wertvollen Baumschmuckes einen Eintrag ins "Guinness-Buch der Rekorde" sichern konnte, ergänzt nun sein luxuriöses Portfolio mit der weltweit größten Anlage zur Produktion von Premium-Kaviar. Bei voller Kapazität, die der Betreiber 2015 erreichen will, soll die Fabrik jährlich bis zu 35 Tonnen der begehrten Fischeier sowie 465 Tonnen Störe produzieren.
Deutsche Firma realisierte Mega-Anlage
Drei Jahre lang wurde an dem ambitionierten Projekt getüftelt, um eine Anlage zu entwickeln, die perfekt auf die klimatischen und äußeren Verhältnisse in den Vereinigten Arabischen Emiraten zugeschnitten ist. Konzipiert, geplant und realisiert wurde das für die gesamte Aquakultur-Branche wegweisende Projekt von einem deutschen Unternehmen, der United Food Technologies AG (UFTAG). Selbst der Transport von rund 140 Tonnen Lebendfisch (110.000 Störe) von Deutschland in die fertiggestellte Anlage in Abu Dhabi Anfang des Jahres hatte alles bisher dagewesene in den Schatten gestellt.
Wirkt die 50.000 Quadratmeter große Fabrik - das entspricht etwa der Größe von sechs Fußballfeldern - von außen eher unscheinbar, bietet sie im Inneren Produktionsbedingungen für die Störe und ihren kostbaren Laich, die sogar den natürlichen Lebensraum der Fische, das Kaspische Meer, noch übertreffen. Sind sie dort lediglich vier Monate im Jahr verfügbar, so ist in der Anlage in Abu Dhabi das ganze Jahr über Sommer für die Störe, preist Christoph Hartung, Aufsichtsratsvorsitzender der deutschen UFTAG, die 120 Millionen Dollar (82 Millionen Euro) teure Aquakultur.
Von der Brut bis zur Ernte werden die wertvollen Fische - die Anlage fasst etwa 260.000 Störe - mit Fünf-Sterne-Luxus verwöhnt: Essens-Roboter verteilen zu vorprogrammierten Zeiten Salzkrebse an die frisch geschlüpften und Trockenfutter an die ausgewachsenen Störe, die bis zu drei Meter lang und sieben Kilogramm schwer werden können. Computersysteme überwachen 24 Stunden lang Temperatur und Wasserfilterung der Zuchtbecken, bei Problemen wird automatisch ein Alarm nach Deutschland abgesetzt und der diensthabende Mitarbeiter in Abu Dhabi informiert.
Appetit auf Kaviar stark angestiegen
Der Appetit des Emirats auf Kaviar ist gleichzeitig mit seiner wirtschaftlichen Macht gestiegen. Während Russen und andere europäische Auswanderer zu den größten lokalen Kunden zählen, kommen auch immer mehr Einheimische auf den Geschmack des bis zu 6.000 Euro pro Kilogramm teuren schwarzen Goldes.
Royal Caviar sieht in dem Standort in Abu Dhabi einen strategischen Vorteil, um die steigende Nachfrage der neuen Wohlhabenden im Osten, vor allem in China, nach der kulinarischen Delikatesse bedienen zu können. Doch der Markt für Kaviar ist durch die Verknappung des Angebotes an Wildfängen, die durch die Erzeugung von Zuchtkaviar bei weitem nicht ausgeglichen werden können, geprägt.
Der World Wildlife Fund (WWF) bezeichnet die meisten der heute noch bekannten 27 Störarten als gefährdet. Laut WWF-Prognose ist im Kaspischen Meer die vollständige Vernichtung der Störbestände und der Zusammenbruch der Kaviarproduktion absehbar. Diese Umstände beflügeln den anhaltenden Boom bei der Errichtung von Aquakulturen – sogar in der Wüste, wie das Projekt der Bin Salem Holding beweist.
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