Der zweite Teil macht genau dort weiter, wo der erste aufgehört hat. Doch wer erinnert sich noch genau an die Geschichte und wie sollen Einsteiger ins Spiel finden? Nun, einerseits ist auf dem Datenträger praktischerweise auch der erste Teil enthalten, andererseits wird im Prolog versucht, die Vorgeschichte in Kurzform zu erklären. Leider werden aufgrund der komplexen Handlung einige wichtige Fakten jedoch ausgelassen, weshalb Neulingen fast nur der Umweg über Teil eins bleibt, wenn sie wirklich vollkommen im Bild sein wollen.
Leichtsinnigerweise dürften die Entwickler scheinbar davon ausgegangen sein, dass die Fortsetzung sowieso nur Kenner des ersten Teils spielen werden. Anders lässt es sich nicht erklären, dass auf ein Tutorial vergessen wurde.
Gleich zu Beginn geht es wieder einmal um eine Prinzessin. Diesmal muss sie allerdings nicht befreit, sondern beschützt werden. Zum eigenen Charakter gelangt man davor durch Import des Alten aus dem Vorgänger oder durch Neuerstellung. Sinnigerweise startet auch die Eigenkreation nicht bei einem Erfahrungslevel von Null, sondern bei einer wesentlich höheren Stufe. Bei der Verteilung der Fähigkeiten stehen Neueinsteiger allerdings wiederum vor einer schwer zu überwindenden Hürde, artet sie doch ohne Vorkenntnisse zu einem reinen Glücksspiel aus.
In derselben Tonart geht es weiter, sobald man als edler Kämpfer in blauer Rüstung versucht, das Leben der anvertrauten Prinzessin zu beschützen. Das liegt am eigenwilligen Kampfsystem, das sich als eine Mischung aus Echtzeitstrategie mit rundenbasierten Elementen erweist. Im Kampf finden davor zusammengestellte Angriffskombinationen Verwendung. Neulinge müssen, mangels Hilfestellung, bittere Lehrstunden in Kauf nehmen.
Nach diesen Schwierigkeiten und den ersten erfolgreichen Kämpfen kommt Leonard ins Spiel, der wiederum als White Knight gegen bösartige Gegner antreten wird. Zu Beginn steht ein scheinbar harmloser Auftrag, in dem es um ein paar Kristalle geht. Mehr sei von der durchaus fantastischen, aber komplexen Geschichte nicht verraten. Gesprochen werden sollte jedoch über die alles andere als perfekte Optik. Sowohl die Grafik als auch die musikalische Untermalung wirken nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Im Vergleich zum ersten Teil scheint sich wenig bis gar nichts geändert zu haben.
Der Online-Part kommt als Online-Addon ins Spiel, das zunächst heruntergeladen werden muss. Bis zu 15 Freunde dürfen dann im eigenen, selbst erstellten Dorf zu Gast sein und von dort aus zu einer der Online-Missionen starten. Allerdings stehen nicht alle Aufgaben von Anfang an zur Verfügung, sondern müssen zuvor im Solo-Modus erst freigespielt werden. Die Idee hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits bekommt der Solo-Teil so einen Zusatznutzen, andererseits wird man als Spieler gezwungen, den Singleplayer-Part zu spielen, um an weitere Multiplayer-Missionen zu gelangen. Weitere Ungereimtheiten stellen sich bei der Chat-Funktionalität ein, die nämlich – sinnloser Weise – ebenfalls im Solo-Modus aufgerufen werden kann.
Fazit: "White Knight Chronicles II" hinterlässt gemischte Gefühle. Kenner des ersten Teils können nahtlos fortsetzen und in die fantastische Welt von Leonard eintauchen. Die durchschnittliche Optik wird aber auch bei Ihnen kein Wohlgefallen auslösen. Neueinsteiger kommen hingegen fast nicht umhin, sich den ersten Teil zu Gemüte zu führen, da keinerlei spielerische Hilfestellungen geboten werden. "White Knight Chronicles II" bietet letztendlich leicht überdurchschnittliche Rollenspielkost für Fans des ersten Teils.
Plattform: PS3
Publisher: Sony
krone.at-Wertung: 7/10
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