Alleine bis März waren es Gutscheine im Wert von 55.000 Euro, die bei den 16 Sozialberatungsstellen der Caritas ausgegeben wurden. „Da geht es darum, dass die ärgste Not gelindert wird und man zumindest etwas zum Essen daheim hat“, erklärt Michaela Haunold, Leiterin der Sozialstellen in OÖ. Denn wer mehr finanzielle Hilfe benötigt, etwa für Strom- und Gasnachzahlungen oder Miete, muss seine finanzielle Situation offenlegen – das dauert länger. „Der Kühlschrank ist aber akut leer“, so Haunold.
Jetzt läuft wieder die Haussammlung an und wir sind froh, dass wir wieder direkt mit den Leuten in Kontakt kommen. In Corona-Zeiten brach die Spendenbereitschaft ein, wenn nur ein Erlagschein im Postkasten lag.
Franz Kehrer, Direktor Caritas Oberösterreich
„Die Teuerung trifft alle, aber die Ärmeren, die meist auch in Miete leben, ärger“, sagt der oö. Caritas-Direktor Franz Kehrer und ergänzt: „Man muss bedenken, dass in den vergangenen zehn Jahren die Mieten im Schnitt um 50 Prozent gestiegen sind.“ Jetzt verteuern sich die Stromkosten um teilweise das Dreifache, dazu steigende Lebensmittelpreise. „Unsere Klienten wissen meist die Lebensmittelpreise auf den Cent genau. Eine ältere Dame hat mir erklärt, dass sie sich jetzt einen Karfiol gekauft hat und mit dem wieder drei Tage über die Runden kommt“, berichtet Haunold aus der Praxis.
Wir hören derzeit den Satz ,Dass ich einmal zur Caritas gehen muss, hätte ich nie gedacht’ öfter als früher. Und viele Leute, die früher bei uns spendeten, kommen jetzt zu uns, müssen um Hilfe bitten.
Michaela Haunold, Leiterin der Sozialberatungsstellen in OÖ
Bei der Caritas spricht man sich für „zielgerichtete Sozialleistungen“ und gegen das „Gießkannenprinzip“ aus. Direktor Kehrer sieht auch die angedachte Reduktion der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel kritisch: „Davon profitieren nicht nur die Armen.“ Er fordert etwa, dass die Anrechnung der Wohnbeihilfe aufs Einkommen gestrichen wird.
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