Provokante Aussage

Experte aus Athen: “Lasst die Griechen pleitegehen!”

Ausland
22.06.2011 19:05
Lasst Griechenland pleitegehen, oder denkt zumindest einmal detailliert über diese Möglichkeit nach, lautet die provokante Forderung eines der renommiertesten Journalisten aus Athen. Denn angesichts der maroden griechischen Wirtschaft könnten die Hilfspakete die europäischen Steuerzahler teurer zu stehen kommen als ein etwaiger Konkurs des Pleite-Landes.

Denn, so fragte Takis Michas, der auch in mehreren griechischen Medien publiziert, jüngst in seiner Kolumne in der angesehenen US-Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal": "Was wird eigentlich mit den immer neuen Überweisungen unterstützt?" Und er gibt auch die Antwort: "Eine Wirtschaft, deren wichtigster Daseinsgrund es in den vergangenen vierzig Jahren war, ihre Klientel aus dem öffentlichen Sektor mit Vorteilen zu versorgen."

"Griechen haben hohes Anspruchsdenken"
Es sei naiv zu glauben, die Griechen würden ihren Geldgebern dankbar sein: "Die Griechen haben ein hohes Anspruchsdenken. Sie sind der Ansicht, bestimmte Dinge stünden ihnen zu, ganz losgelöst von der Frage der Produktivität ihrer Wirtschaft." Und Opposition und Gewerkschaften hätten überhaupt kein Motiv, dem zweiten Rettungspaket von EU und Internationalem Währungsfonds zuzustimmen. 

Im Gegenteil: Durch ihre Ablehnung hat die oppositionelle konservative "Nea Dimokratia" die regierende, sozialdemokratische PASOK erstmals wieder in den Umfragen überholt – und hofft auf ein Scheitern des Premiers und Neuwahlen. "Diese Leute", so Michas, "haben genau registriert, dass die ausländischen Geldgeber sich vor der Kettenreaktion fürchten, die eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands angeblich auslösen kann. Deshalb sind sie sich sicher, dass man das griechische Defizit immer weiterfinanzieren wird, auch ohne Reformen in Athen."

"Das ist euer Problem, nicht unseres"
Wie sagt doch die radikale, in Griechenland aber angesehene, parteilose Abgeordnete Liana Kanelli im "stern" auf den Hinweis, dass die EU ihr Geld irgendwann wieder zurückhaben will: "Darling, das ist euer Problem, nicht unseres."

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