Je schrecklicher die Bilder werden, die uns aus der Ukraine erreichen, desto größer wird die Empörung, der emotionale Aufschrei über das Grauen, das Putins Angriffskrieg über die Bevölkerung in der Ukraine gebracht hat und täglich weiter bringt. Die mutmaßlichen Kriegsverbrechen russischer Soldaten an ukrainischen Zivilisten machen es noch schlimmer.
Emotionen hintanstellen
Aber - so zynisch das vielleicht klingen mag - gerade in solchen Situationen ist die Politik gut beraten, Emotionen hintanzustellen. Denn Emotionen können zu fatalen Fehlentscheidungen führen, die man bei nüchterner Betrachtung so vielleicht nicht gefällt hätte. Deswegen ist man in Zeiten des Krieges immer gut beraten, wenn man sich an die Ratschläge von Militärs hält. Die haben gelernt, auch in den schrecklichsten und verstörendsten Momenten kühlen Kopf zu bewahren. Weil das überlebenswichtig sein kann.
Und so solle Europa auf den deutschen Brigadegeneral a.D. Erich Vad hören, vormals militärpolitischer Berater von Kanzlerin Angela Merkel. Er warnt Europa davor, schwere Waffen an die Ukraine zu liefern. Das sei „potenziell ein Weg in den Dritten Weltkrieg“.
„Machen im Moment sehr viel Kriegsrhetorik“
Außerdem, so Vad, könne man komplexe Waffensysteme nur nach jahrelanger Ausbildung systemgerecht bedienen und einsetzen. Sie würden der Ukraine militärisch aktuell und auf absehbare Zeit also gar nichts nützen.
„Wir machen im Moment sehr viel Kriegsrhetorik“, sagt Vad. „Aus guter gesinnungsethischer Absicht. Aber der Weg in die Hölle ist bekanntlich immer mit guten Vorsätzen gepflastert. Wir müssen den laufenden Krieg zwischen Russland und der Ukraine vom Ende her denken. Wenn wir den Dritten Weltkrieg nicht wollen, müssen wir früher oder später aus dieser militärischen Eskalationslogik raus und Verhandlungen aufnehmen.“
Es sei gefährlich, Putin das Menschsein abzusprechen und ihn zum krankhaften Despoten abzustempeln, mit dem man nicht reden könne. Tatsächlich führt kein Weg an ihm vorbei. Allem Grauen zum Trotz
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