Eltern üben Kritik

Kein Schulplatz für die zehnjährige Autistin in NÖ

Die Eltern der zehnjährigen Elsa sind verzweifelt: Seit drei Jahren bekommt ihre autistische Tochter keine reguläre Schulbildung in Niederösterreich. Mehrere Versuche der Eingewöhnung in den Regelunterricht scheiterten in Wiener Neustadt. Auch weil es unnötige Schikanen der Schulbehörde gegeben habe, wie die Mutter berichtet. „Es gibt kein richtiges Angebot für Kinder wie Elsa“, kritisiert die Familie.

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Derzeit wird Elsa zu Hause unterrichtet, ihre Mutter hat sich ein Jahr karenzieren lassen. Eigentlich, um ihrer Tochter den Wiedereinstieg in einer Volksschule in Wiener Neustadt zu erleichtern. Doch daraus wurde nichts. „Die erste Woche lief gut, doch dann hat mir die Bildungsdirektion verboten, die Schule zu betreten“, schildert sie. Weil Elsa unter diesen Umständen nicht mehr in die Schule wollte, hat man mit Unterstützung einer Lehrerin sogar mehrere Wochen eine Stunde pro Tag vor (!) der Schule gelernt, ehe der Mutter der Zehnjährigen zumindest wieder der Zutritt in die Aula erlaubt wurde: „Da war es für Elsa aber zu spät, sie wollte dort nicht einmal mehr aus dem Auto aussteigen.“

Behindertenanwalt schaltet Minister ein
Unterstützung bekommt die Familie von Behindertenanwalt Hansjörg Hofer. „Das Problem des fehlenden Schulangebots für Kinder wie Elsa ist leider schon lange bekannt. Eine Lösung ist schwierig, muss aber machbar sein“, sagt er. Hofer hat sich daher mit einem Brief an Bildungsminister Martin Polaschek gewandt, in dem er auch eine mögliche Diskriminierung im Sinne des Behindertengleichstellungsgesetzes anspricht. Eine Antwort ist noch ausständig.

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Elsa hat doch wie jedes andere Kind ein Recht auf Schulbildung. Die zuständigen Stellen müssen handeln und Ressourcen freigeben.

Elsas Vater kritisiert die Politik

Schriftlich reagiert hat indes die Bildungsdirektion auf eine „Krone“-Anfrage. Man sei bemüht, einen geeigneten und guten Schulplatz für Elsa zu finden. Es habe auch bereits viele Gespräche gegeben. Zudem beteuert man, dass es nur eine Übergangslösung gewesen sei, die Mutter mit in die Klasse zu lassen. Das Betreten der Schule sei ihr aber nie verboten worden. Konkrete Lösungen für Elsa bleibt man aber schuldig.

Die Zeit drängt
Doch nach drei Jahren drängt die Zeit. Das Fehlen praktikabler Angebote zwingt die meisten betroffenen Eltern, ihre Kinder in den häuslichen Unterricht zu nehmen oder – wenn man es sich leisten kann – in eine Privatschule zu geben. „Damit verschwinden sie vom Radar der Behörden“, klagt Elsas Vater.

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