In einer Mülltonne

Mutation des EHEC-Keims in Magdeburg entdeckt

Ausland
08.06.2011 19:25
Bei der Suche nach der Infektionsquelle für die EHEC-Epidemie ist am Mittwoch in der Mülltonne einer infizierten Familie aus Magdeburg eine mutierte Form des Darmkeims entdeckt worden. Ein Familienmitglied habe Gurkenreste aus dem Müll selbst zu den Behörden gebracht, wo diese untersucht worden seien, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums. Da die Probe aber bereits seit eineinhalb Wochen zusammen mit anderen Abfällen in der Tonne gelegen sei, lasse sich aus dem Fund nicht schlussfolgern, dass der Erreger tatsächlich auf der Gurke gewesen sei.

Indes ist am Mittwoch auch in Salzburg ein erster EHEC-Fall bestätigt worden. Eine 82-jährige Frau liegt seit Montag im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder auf der Intensivstation, wie der ärztliche Leiter des Spitals, Fritz Hoppichler, mitteilte (siehe Infobox). 

Die Patientin sei am Montag in das Spital eingeliefert worden. "Sie wies die typischen Symptome auf", sagte der Arzt. Sie wurde dann positiv auf den Keim getestet. Inzwischen ist die Frau nicht mehr in Lebensgefahr. Unklar ist, ob es sich um den aggressiven Subtypus des Erregers handelt, dem in Deutschland bereits 25 Menschen zum Opfer gefallen sind. Weitere Tests sollen dies klären. Ein Ergebnis wird für die kommenden Tage erwartet. "Die Frau hatte keinerlei Bezug zu Norddeutschland", sagte der ärztliche Leiter.

Ursache für Krankheitsverlauf gefunden
Unterdessen haben Ärzte der Universitätskliniken Greifswald und Bonn Hinweise auf die Ursache schwerer Verläufe bei EHEC-Patienten mit HUS-Syndrom gefunden. Vieles deute darauf hin, dass neben dem Giftstoff Shigatoxin auch die Bildung von Autoantikörpern für schwere Schädigungen verantwortlich sei, sagte der Transfusionsmediziner Andreas Greinacher vom Universitätsklinikum Greifswald.

Die Autoantikörper verursachten einen Anstieg eines Gerinnungsfaktors, wodurch die Durchblutung wichtiger Gehirnregionen und der Nebennieren eingeschränkt sei. Sie werden nur von einigen EHEC-Patienten gebildet. Inzwischen wurden erste schwer erkrankte Patienten mit einer speziellen Blutwäschetherapie behandelt. "Die ersten Entwicklungen bei den Blutwerten stimmen uns optimistisch."

Blutspender werden dringend gesucht
Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf rief indes erneut zum Blutspenden auf. In den vergangenen drei Wochen seien in der Klinik mehr als 6.000 Plasmakonzentrate für die Versorgung der HUS-Patienten eingesetzt worden, berichtete eine Sprecherin. "Das entspricht etwa der Menge an Plasma, die sonst in drei bis vier Monaten gebraucht wird." Die Reserven müssten vor allem mit Blick auf die nahenden Sommerferien möglichst schnell wieder aufgefüllt werden.

3.000 EHEC-Fälle und 25 Tote in Deutschland
Derzeit sind deutschlandweit rund 3.000 EHEC-Fälle und -Verdachtsfälle registriert. Mindestens 25 Menschen sind nach Angaben von Behörden gestorben. In den stark betroffenen Bundesländern Hamburg und Niedersachsen flachte der Anstieg der Infektionszahlen zuletzt ab. Dagegen stieg die Zahl der Neuinfizierten in Schleswig-Holstein deutlich.

Der Landwirtschaftsminister Niedersachsens, Gert Lindemann, erklärte, dass trotz der vielen EHEC-Fälle ein verstärktes Eingreifen der EU nicht nötig sei. "Die EU war von Beginn an involviert und kann auch nicht mehr tun, als auf Ergebnisse warten", sagte Lindemann am Donnerstag der "Bild"-Zeitung. Die Krise sei noch nicht vorbei: "Wir werden weiter und noch breiter Untersuchungen durchführen und den Informationsaustausch noch enger halten", so Lindemann.

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