Do, 18. Oktober 2018

"Exzessive Gewalt"

21.05.2011 11:29

Mindestens 44 Tote bei Protesten in Syrien

Bei Demonstrationen in Syrien haben Sicherheitskräfte laut Berichten von Menschenrechtsaktivisten am Freitag mindestens 44 Menschen getötet. Die meisten Todesopfer habe es in der westlichen Provinz Idlib und der Stadt Homs gegeben, sagte der Aktivist Ammar al-Qourabi am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Die syrischen Behörden setzten weiterhin "exzessive Gewalt" und scharfe Munition gegen die Protestbewegungen in zahlreichen Landesteilen ein, so Qourabi.

Allein in Homs, einer der Hochburgen der Proteste gegen das Regime von Präsident Bashar al-Assad, seien elf Menschen getötet worden, darunter ein zehnjähriges Kind und ein 16-jähriger Jugendlicher, hieß es. Videos aus Hama zeigten, wie Einsatzkräfte in die Menge schossen.

Zehn weitere Menschen starben nahe der im westen des Landes gelegenen Stadt Idlib, wie Aktivisten der Agentur AFP sagten. Darunter sei auch ein 15-jähriger Jugendlicher gewesen. Auch in der Region Daraa sowie nahe der Hauptstadt Damaskus und in der Hafenstadt Latakia starben demnach mehrere Menschen. In Hama trugen die Sicherheitskräfte Helme und Schutzschilde und schossen in die Menge, wie Videoaufnahmen zeigten, die von Menschenrechtlern im Internet veröffentlicht wurden.

Die syrische Protestbewegung hatte für Freitag zu neuen Protesten für die Freiheit und die nationale Einheit aufgerufen. Tausende Männer, Frauen und Kinder gingen daraufhin in verschiedenen Städten des Landes auf die Straße. Die Proteste erreichten nach Angaben von Augenzeugen auch Gegenden nahe der größten Städte Aleppo und Damaskus, die bisher weitgehend ruhig waren.

Mindestens 850 Tote seit Mitte März
Die syrische Führung geht seit Wochen mit Gewalt gegen Demonstranten vor und ignoriert Aufforderungen der internationalen Gemeinschaft, die Protestbewegung nicht länger brutal zu unterdrücken. Menschenrechtsaktivisten und der UNO zufolge kamen seit dem 15. März mindestens 850 Menschen bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften ums Leben, mehr als 8.000 Menschen wurden festgenommen. Laut UNO-Flüchtlingshochkommissariat flohen zudem bisher etwa 4.000 Menschen in den benachbarten Libanon.

Die syrische Führung verurteilte indes die Ansprache von US-Präsident Barack Obama, in der dieser am Vortag Assad vor die Wahl gestellt hatte, "den Wandel (zur Demokratie) anzuführen oder zur Seite zu treten". Dies zeige deutlich, wie sehr sich "die USA in die inneren Angelegenheiten Syriens einmischen", stellte die staatliche Nachrichtenagentur Sana in einer Erklärung am Freitag fest.

NATO schließt Intervention aus
Die NATO schließt ein militärisches Eingreifen in Syrien angesichts der tödlichen Angriffe von Militär, Polizei und Geheimdienst auf friedliche Demonstranten aus. Das nordatlantische Bündnis habe keinen Einsatz geplant, "auch wenn wir die Brutalität der syrischen Sicherheitskräfte und die eiserne Faust gegen die Zivilbevölkerung scharf verurteilen", erklärte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in einem Interview der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.

Der einzig mögliche Ausweg für das Land sei jedoch, den "legitimen Forderungen des Volkes nachzugeben und einen friedlichen Übergang zu einer Demokratie zuzulassen". Seit Beginn der Proteste in Syrien Mitte März wurden nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen 761 Zivilisten und 126 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet.

Chavez twittert: "Gott helfe Syrien"
Venezuelas linker Staatschef Hugo Chavez bezeichnete Syrien als "Opfer eines faschistischen Angriffs". "Gott helfe Syrien", schrieb er am Freitag im Online-Kurznachrichtendienst Twitter. Chavez hatte erst kürzlich von einem Komplott gegen den syrischen Präsidenten gesprochen, den er als "Humanisten" bezeichnete. Syrien und Venezuela unterhalten enge diplomatische Beziehungen.

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