Mi, 19. Dezember 2018

Alltägliche Zensur

20.05.2011 17:24

Die "Filter-Blase": Was das Internet vor dir versteckt

Früher war er Aktivist für liberale Politiker in den USA, heute warnt er vor der "Filter-Blase" im Internet: Eli Pariser schreibt in seinem gleichnamigen Buch, dass große Online-Unternehmen wie Google und Facebook das Netz zunehmend personaliseren. So werde dem Nutzer die Möglichkeit genommen, selbst zu entscheiden, was er sehen möchte - Informationen würden zunehmend versteckt.

Personalisierung soll das Internet einfacher und zugänglicher machen, der Nutzer soll schneller ans Ziel kommen und dabei über weniger für ihn irrelevante Informationen stolpern. Das Ergebnis dieser Bemühungen ist laut Parisers Buch "The Filter Bubble: What the Internet Is Hiding From You" jedoch, dass der Nutzer immer mehr von einer Blase umgeben ist.

Diese verhindert, dass der User in Kontakt mit neuen Entdeckungen kommt, die außerhalb seines üblichen Geschmacks und seiner Interessen liegen - er wird in seiner eigenen, kleinen Welt immer mehr abgeschottet.

Suchergebnisse an Nutzer angepasst
Pariser zufolge ist diese Entwicklung vor allem deshalb so gefährlich, weil sie für den Normalnutzer nicht sichtbar ist. Wer heute etwa eine Suchabfrage über Google startet, denkt, er bekomme dieselben Resultate wie irgendjemand sonst auf der Welt. In Wahrheit jedoch nutze der Suchmaschinenriese verschiedene Techniken, um die Resultate an den Nutzer anzupassen - sie können sich laut Pariser deutlich von jenen anderer User unterscheiden.

Online-Filter sind unsichtbar
Anhand der politischen Ausrichtung eines Mediums könne der Konsument zum Beispiel erahnen, dass ein Thema auf bestimmte Art und Weise präsentiert werde - und dass manche Details ausgelassen werden könnten. Bei Internetdiensten sei dies jedoch nicht ersichtlich - der Nutzer könne nicht herausfinden, welche Filter verwendet würden, kritisiert Pariser.

Suchmaschine zeigt nur einen Teil der Informationen
Google sammelt seit Jahren unvorstellbare Datenmengen über die Nutzer und verwendet diese, um die Suchergebnisse zu personalisieren. So erhält man etwa bei einer Suchanfrage für Pizza zuerst lokale Anbieter. Was in diesem Fall praktisch ist, kann problematisch werden, wenn es etwa um Nachrichten geht. So beschreibt Pariser gegenüber CNN.com, dass eine Freundin bei der Google-Suche nach BP kaum Informationen zur Ölkatastrophe angezeigt wurden, während eine andere zuoberst Details über die Folgen für die Umwelt sah.

Pariser sieht Demokratie in Gefahr
Demokratie verlange aber, dass die ganze Öffentlichkeit über allgemeine Probleme informiert werde - auch wenn sie abseits der eigenen Weltsicht und primären Interessen lägen, so Pariser. Wenn der Nutzer nur noch Probleme zu sehen bekomme, die seiner Sicht der Dinge entsprechen, werde es gefährlich.

Auch Facebook wählt vorab Informationen aus
Auch das soziale Netzwerk Facebook macht es schwierig, Neues zu entdecken. Was bei Facebook nämlich zum Beispiel auf der "Neuigkeiten"-Seite des Nutzers angezeigt wird, wird vom Dienst vorgefiltert. Das ist leicht nachzuprüfen, indem man beliebige Facebook-Freunde anklickt und deren letzte Aktivitäten betrachtet - nicht alle werden auf der eigenen "Neuigkeiten"-Seite angezeigt. Derart verfahren immer mehr Online-Dienste, warnt Pariser.

Tipps gegen die Filter-Blase
Als Tipps gegen die zunehmende Personalisierung, den Eingriff in die Privatsphäre und mangelnden Datenschutz gibt Pariser auf seiner Website vor allem, Cookies zu löschen, ebenso den Browserverlauf bzw. die Chronik. Zudem warnt er davor, persönliche Daten wie den Geburtstag im Internet anzugeben und auf Facebook generell nichts zu veröffentlichen, das nicht theoretisch von der ganzen Welt gelesen werden darf. Er empfiehlt außerdem den privaten Modus im Webbrowser zu nützen, um inkognito zu surfen.

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