Für 95.000 Tiroler Schülerinnen und Schüler beginnen am Freitag die Semesterferien. Nicht alle können sich uneingeschränkt darauf freuen. Viele müssen wichtige Entscheidungen treffen. Was tun bei schlechten Noten? Wie Schul- und Berufsentscheidungen treffen? Antworten von Brigitte Thöny, Leiterin der Tiroler Schulpsychologie.
„Krone“: Nicht alle Tiroler Kinder können sich uneingeschränkt auf die Semesterferien freuen, weil die Schulnachricht nicht gut ausfällt. Wie können Eltern ihre Kinder nun am besten unterstützen?
Brigitte Thöny: Eltern können mit ihrem Kind besprechen, was nicht so gut gelaufen ist und warum. Und sie können gemeinsam einen Plan erstellen, wie in Zukunft die Lern- und Hausaufgaben sowie die Vorbereitung auf Schularbeiten eingeteilt werden.
Für viele Kinder ist dieses Schuljahr sehr wichtig, weil es über den weiteren Schulweg oder Jobchancen entscheidet. Was tun, um schlechte Noten noch auszubessern?
Es ist ganz wichtig, dass man die Lern- und Übungszeiten für Prüfungen, Tests und Schularbeiten langfristig plant, sodass genügend Zeit für die Besprechung von Unklarheiten und Wiederholungen bleibt. Je öfter der Lernstoff wiederholt wird, desto eher ist das Gelernte im Langzeitgedächtnis und leichter abrufbar.
Wann zur Nachhilfe?
Wenn es große Verständnisfragen gibt, die nicht durch Lehrperson oder Eltern gelöst werden können, dann kann auch einmal eine Nachhilfe hilfreich sein.
Die Anmeldezahlen für die AHS-Unterstufe sind jedes Jahr hoch. Der Druck auf die Kinder teilweise auch. Wie verhindert man, dass Eltern Kinder (ungewollt) in eine Schule drängen, in die sie vielleicht gar nicht passen?
Eltern, die sich unsicher sind, ob ihr Kind ein Gymnasium besuchen kann oder soll, können das mit der Lehrperson besprechen, die ihnen da sicher gute Hinweise bezüglich Fähigkeiten, Konzentration, Ausdauer und Frustrationsvermögen geben kann. Im Zweifelsfall kann man sich auch an die Schulpsychologie wenden: Wir bieten Begabungstests und Schulleistungstests an und besprechen die Ergebnisse mit Eltern und Kind.
Seit wann gibt es die Schulpsychologie, die heute zur Bildungsdirektion gehört, und wie kann sie Familien noch unterstützen?
Die Tiroler Schulpsychologie gibt es seit 1951. Sie hat sich bei Angebot und Personalressourcen qualitativ und quantitativ immens verbessert. Wir bieten Untersuchung und Beratung bei allen Problemen an, die sich im Verlauf der Schulzeit ergeben: Abklärung der Schulreife, Bildungsberatung, Abklärung der Hochbegabung, Diagnose der Lese-Rechtschreibstörung und Rechenstörung mit individuellen Fördermaßnahmen, Abklärung von psychischen Problemen und Verhaltensproblemen sowie entsprechende Unterstützungsmaßnahmen, Einsatz in Krisensituationen für Schulen, Klassen und einzelne Schülerinnen und Schüler.
Noch ein Wort zu Jugendlichen, die vor der Frage stehen: Höhere Schule oder Lehre? Wie können Sie diese unterstützen?
Mithilfe der Schulpsychologie können die Fähigkeiten und Interessen des Kindes mit entsprechenden Tests herausgefunden werden. Bei Gesprächen mit Kind und Eltern kann auf dieser Grundlage die passende Schule oder Ausbildung eruiert werden.
Wie sehr beeinflusst die Pandemie das schulische Fortkommen der Kinder? Orten Sie Unsicherheiten?
Wir nehmen die enorme Belastung, besonders die psychische Belastung der Kinder und Jugendlichen in der Schulpsychologie stark wahr. Bei den Kleinen sowie bei den Großen gibt es bezüglich ihrer Zukunft viele Unsicherheiten.
Rat und Hilfe am letzten Schultag vor den Semesterferien
Die Schulpsychologie der Bildungsdirektion für Tirol steht am Freitag in der Zeit von 8 bis 17 Uhr unter der Nummer 0512/9012 - 9266 für Anfragen zur Verfügung. Informationen über das Angebot der schulpsychologischen Beratung: bildung-tirol.gv.at (Rubrik Service).
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